Rémi Brague: »Die Welt wird verschwinden, wir nicht«


Rémi Brague, Bild: paperblog.com
Er gehört zu den wichtigsten Denkern der Gegenwart: Der französische Philosoph Rémi Brague (66), der für seine wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet der arabischen und mittelalterlichen Philosophie sowie der Religionsphilosophie mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen geehrt wurde, etwa mit dem Orden der Ehrenlegion im Jahr 2013. Von 2002 bis 2012 war Brague, der zuvor an der Pariser Sorbonne und an den Universitäten von Pennsylvania, Boston und Lausanne lehrte, Lehrstuhlinhaber für Philosophie der Religionen Europas (Guardini-Lehrstuhl) an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Ein Interview.

Von Stefan MeetschenDie Tagespost

Sie haben einmal gesagt: „Christus ist nicht gekommen, um eine Zivilisation zu erbauen, sondern um die Menschen aller Zivilisationen zu retten“. Wie geschieht diese „Rettung“ heute aus Ihrer Sicht? In Asien, in Amerika, in Afrika?

Keine Ahnung. Generell möchte ich meine Hauptthese aber unterstreichen, dass das Hauptproblem beim Menschen liegt. Der Mensch muss geheilt werden. Wenn er eines Tages wieder gesund wird, dann kann er eine Zivilisation bauen, die dem Ort und der Zeit am besten entspricht. Dabei ist der Mensch die Quelle, der Angelpunkt dieses ganzen Gebildes. Das Problem ist nie die Zivilisation. Das Problem ist, dass jede Zivilisation von einem bestimmten Typ Mensch gebaut und gepflegt wird. Wenn es dem Menschen gut geht, geht es auch der Kultur gut. Das sage ich als Europäer, wissend, dass die europäische Kultur eine Art Ausnahme darstellt. Es ist keine normale Kultur. Eher ein bizarres Ereignis. Ein Sonderfall in der Geschichte der Menschheit.

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