Tibet: Chinesische Regierung renoviert Dalai Lama-Geburtsstätten


Foto: brightsblog
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Peking will Kontrolle über tibetischen Buddhismus. Touristen nur bedingt willkommen. Argument in Gebietsstreit mit Indien.

China Observer

Ein aktueller Bericht der International Campaign for Tibet (ICT) belegt den Versuch der chinesischen Politik, auch über die Pflege der Geburtsstätten mehrerer Inkarnationen des Dalai Lama Kontrolle über den tibetischen Buddhismus zu erlangen. So wurde das Geburtshaus des gegenwärtigen 14. Dalai Lama im nordosttibetischen Takster für nach offiziellen Angaben mehr als 2,5 Millionen Yuan (300.000 €) aufwändig renoviert. Das Gebäude hat nicht mehr viel Ähnlichkeit mit dem ursprünglichen Bauerngehöft aus den 1930er Jahren. Es ist nun von einer hohen Mauer umgeben und mit Überwachungskameras ausgestattet. Daneben wurden auch mehrere Geburtsstätten seiner Vorgänger ausgebaut, insbesondere diejenigen des 13., des 11. und des 7. Dalai Lama. Sie werden gerne von Pilgern besucht, teilweise zeigen große Hinweistafeln den Besuchern den Weg. Mittels der Pflege der Geburtsstätten der Dalai Lamas untermauert die Führung in Peking ihren Anspruch auf Kontrolle des tibetischen Buddhismus, wie er auch in der Frage der Anerkennung neuer Inkarnationen bedeutender Lamas zu Tage tritt. Zugleich präsentiert sie sich als Bewahrerin des tibetischen Erbes, ungeachtet der Tatsache, dass die chinesischen Invasionstruppen und die Roten Garden während der Kulturrevolution in Tibet zahlreiche unwiederbringliche Kulturschätze zerstört haben.

Für Touristen, insbesondere ausländische, scheint es zuweilen schwierig, Zugang zu den Geburtsstätten zu erlangen. So ist das Geburtshaus des gegenwärtigen Dalai Lama zwar in den chinesischsprachigen Touristenführern aufgelistet, dennoch kann es Besuchswilligen offenbar passieren, dass sie am Eingang abgewiesen werden. Für die britische Journalistin Isabel Hilton, die Takster zu Recherchen besuchte, spiegelt sich darin die Ambivalenz der chinesischen Politik, die den Dalai Lama auf der einen Seite verteufelt, auf der anderen jedoch sein Geburtshaus in ein Museum verwandelt und dabei in Kauf nimmt, dass es sich in eine Pilgerstätte seiner Anhänger verwandelt. So berichteten Besucher von Khatags, traditionellen tibetischen Glücks- und Segensschals, die sie an der Eingangstür befestigt fanden.

Inzwischen bedient sich die chinesische Politik der vorgeblichen Sorge um die Pflege und den Erhalt der Dalai Lama-Geburtsstätten auch im Streit um die indische Nordostprovinz Arunachal Pradesh, die Peking als Teil Tibets für sich beansprucht. So sprach ein Kommentator der in Hongkong erscheinenden KP-eigenen Zeitung „Wen Wei Po“ davon, China können nie darauf verzichten, wenn nicht schon ganz Arunachal Pradesh, so doch zumindest Tawang seinem Territorium einzuverleiben. Zur Begründung verwies er dabei ausdrücklich auf Tawangs Bedeutung als Geburtsort des sechsten Dalai Lama.

Pressemitteilung der:
International Campaign for Tibet Deutschland e.V.
Schönhauser Allee 163
10435 Berlin