Vollverschleiert in die Selbstbestimmung


Burqua Burka
Burka (CC-by-sa/2.0/en by Rockin‘ the Khuff)
Worin liegt der Unterschied zwischen einer Regierung, die Frauen zwingt, ein Stück anzuziehen und einer, die verlangt es auszuziehen? Unser Kolumnist Emran Feroz fragt, wer hier eigentlich Frauen unterdrückt: der Islam oder europäische Gerichte?

Von Emran FerozND

Wer Sara ins Gesicht schaut, sieht nur ihre blauen Augen. Vor rund vier Jahren entschloss sich die 26-Jährige, zum Islam zu konvertieren. Seit jeher trägt sie einen Niqab, eine Vollverschleierung. In Frankreich – das ist nun dank des Europäischen Gerichtshofes sicher – könnte sie für das Tragen des Niqabs mit einer Geldbuße bestraft werden. Nun erwägen weitere europäische Staaten das sogenannte »Burka-Verbot«.

Für Sara, die meint, vor einigen Jahren mit ihren blonden Haaren und blauen Augen nicht deutscher hätte sein können, ist das Urteil ein Affront. »Worin liegt der Unterschied zwischen einer Regierung, die einen zwingt, ein Stück Stoff anzuziehen und einer, die verlangt, ein Stück Stoff auszuziehen?«, fragt sich die junge Deutsche nun zu Recht. Denn das Urteil der Straßburger Richter ist nicht nur übertrieben, sondern fast schon radikalsäkular. Es ist eine Form staatlicher Gewalt, ein Stück Stoff zwanghaft aus der Gesellschaft zu verbannen. De facto darf der Staat nur in das Selbstbestimmungsrecht eines Individuums eingreifen, wenn dabei Rechte anderer verletzt werden. Man kann von einem Niqab halten, was man will, Rechte Dritter verletzt er sicherlich nicht.

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2 Comments

  1. „»Worin liegt der Unterschied zwischen einer Regierung, die einen zwingt, ein Stück Stoff anzuziehen und einer, die verlangt, ein Stück Stoff auszuziehen?«, fragt sich die junge Deutsche nun zu Recht.“

    Würde sie sich das auch „zu Recht“ fragen, wenn das „Stück Stoff“ eine Hakenkreuzarmbinde wäre oder ein gelber Davidsstern mit der Aufschrift „Jude“?

    Wie klingt: „De facto darf der Staat nur in das Selbstbestimmungsrecht eines Individuums eingreifen, wenn dabei Rechte anderer verletzt werden. Man kann [vom Hitlergruß] halten, was man will, Rechte Dritter verletzt er sicherlich nicht.“

    Diese Art von Kleidung (ob Gesichtsschleier oder religiös bedingte Kopftücher gleich welcher abrahamitischen Sekte oder bischöfliche Mitra oder Lonsdalekleidung oder 88er-Schriftzüge) ist vor allem eins: Zeichen religiösen oder politischen Wahns.

    „Warum in Gegenden, in denen Sandstürme zum Alltag gehören, eine Vollverschleierung praktisch sein kann, erklärt sich von selbst. “

    Warum in der Wüste, wo Wassermangel herrscht, männiche Genitalverstümmelung hygienisch sein kann, erklärt sich auch von selbst. Hier und heute, wo es Wasser und Seife gibt, ist die Legalisierung der männlichen Genitalverstümmelung ein Verbrechen.

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    1. Und wenns nicht die „Urgewalt des Wüstensturms“ 😉 sondern ganz menschlich eher Allmachtsphantasien von Männer-Dominierten Gesellschaften im Morgen- wie im Abendland sind? 😉

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