»Posthumanismus:« Jenseits des Menschen


HumanismDem Humanismus wurde schon oft das Totenglöckchen geläutet. Heute aber, in einer Welt, in der Klonschafe und Onko-Mäuse leben, Drohnen unbemannt ihr Ziel finden, Maschinen immer intelligenter werden und der Mensch, mit allerlei Prothesen bestückt, vom «Neuro-Enhancing» träumt, wirkt die alte Vorstellung eines privilegierten, von Tier und Technik klar abzugrenzenden Vernunftwesens «Mensch» wie aus der Zeit gefallen.

Von Andrea RoedigNeue Zürcher Zeitung

Der Humanismus sei eine epistemologisch, politisch und ethisch nicht mehr haltbare Position, er habe sich überlebt und werde auch als runderneuerter Neohumanismus (etwa einer Martha Nussbaum) nicht glücken, meint jedenfalls die an der Universität Utrecht lehrende Philosophin Rosi Braidotti.

Ein «vitalistischer Materialismus»

Ihr Buch «Posthumanismus. Leben jenseits des Menschen» ist eine Programmschrift. Braidotti versucht darin, ein eigenes Konzept «posthumaner Subjektivität» plausibel zu machen, theoretisch zu fundieren und gegen andere Positionen abzugrenzen. Die Argumente gegen den Humanismus, die sie vorbringt, sind aus der postmodernen, der feministischen und der Theorietradition der «Postcolonial Studies» der letzten Jahrzehnte sattsam bekannt: Er sei selbstherrlich, euro- und anthropozentrisch, ein Herrschaftsdiskurs weisser, westlicher Männlichkeit, der eine begrenzte, beschränkte Perspektive für eine universelle ausgebe.

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