Human Brain Project Meinung: Eine Milliarde Euro für ein Hirngespinst?


Graphic courtesy of Vimeo, Human Brain Project
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Das ambitionierte Human-Brain-Projekt steht zunehmend in der Kritik. Ein Hirnforscher vom Max-Planck für Experimentelle Medizin fasst die grundsätzlichen Einwände zusammen.

Von Nils BroseSpektrum.de

Ein Großprojekt, das die Hirnforschung in völlig neue Dimensionen führen wird, kündigten die Protagonisten an. „Radikal unreif“, „zum Scheitern verurteilt“ und „reine Geldverschwendung“, urteilen nun die Skeptiker. Weniger als ein Jahr nach seinem Stapellauf ist das Human-Brain-Projekt, ein so genanntes Flaggschiff der europäischen Wissenschaftsförderung, in schwere See geraten. In einem offenen Brief an die Europäische Kommission haben im Juli mehrere hundert Forscher das Management des eine Milliarde Euro teuren Vorzeigeprojekts kritisiert und eine stärkere Kontrolle eingefordert.

Zweifel am Human-Brain-Projekt sind nichts Neues. Dessen in vielen Vorträgen und PR-Auftritten der Projektleiter formulierte Kernidee, das menschliche Gehirn mit Hilfe von Supercomputern zu simulieren, hat schon während des umfangreichen Lobbyings dafür zahlreiche Kritiker auf den Plan gerufen. Und auch das Flaggschiff-Förderprinzip der Europäischen Kommission, milliardenschwere Megaprojekte mit dutzenden Instituten und Laboren an Stelle einzelner exzellenter Wissenschaftler zu unterstützen, wurde von Anfang an grundsätzlich in Frage gestellt.

Doch die Kritik der wissenschaftlichen Welt in Europa und anderswo verhallte ungehört. Seit 2013 fließen die EU-Millionen in das von Henry Markram an der Schweizer École Polytechnique Fédérale in Lausanne koordinierte Projekt – und werden in den Sand gesetzt, wie viele Neurowissenschaftler meinen. Ihnen geht der offene Brief an die Europäische Kommission mit seinem Fokus auf das Management des Großvorhabens, die zu eng gefasste thematische Ausrichtung auf die Informationstechnologie und die fehlende Transparenz und Kontrolle bei strategischen Entscheidungen über die genaue Projektausrichtung noch nicht weit genug. Die Kritik der Hirnforscher ist viel fundamentaler.

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