ARD: Freikirchliche Gottesdienste als „ausgeübte Gewalt“


Düster, bedrohlich und verdächtig: So sehen die ARD-Reporter evangelikale Christen
Foto: ARD
Radikale Christen mit „schlichtem Weltbild“ manipulieren ihre Opfer in Angst und emotionale Abängigkeit hinein. Das zumindest erklärte die ARD am Montagabend in der Reportage „Mission unter falscher Flagge“.

Von Moritz Brecknerpro Medienmagazin

JESUS wird in riesigen Lettern auf die Bühne der Stuttgarter Schleyerhalle projiziert. Tausende Jugendliche treffen sich hier zur „Holy Spirit Night“, einem Gebetsabend mit viel Musik. Zwei junge Besucher erzählen, dass sie von Jesus so begeistert sind, dass sie dies auch anderen Menschen weitersagen wollen. Die NDR-Reporterinnen Mareike Fuchs und Sinje Stadtlich überblenden das Bild der singenden Jugendlichen mit einem schwarzen Rahmen und unterlegen es mit mystischer Musik. „Mit herkömmlichen Gottesdiensten hat das hier nichts zu tun“, raunt Tagesschau-Sprecherin Susanne Daubner aus dem Off.

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  1. Pfingstkirchliche Gemeinden und ein christlicher Verein zum Kampf gegen Menschenhandel weisen die in einer ARD-Fernsehsendung erhobenen Vorwürfe als falsch zurück. Sie verwahren sich gegen eine öffentliche Denunzierung durch den Film „Mission unter falscher Flagge – Radikale Christen in Deutschland“. Die NDR-Produktion von Mareike Fuchs und Sinje Stadtlich wurde am 4. August ausgestrahlt. Er stellte einige charismatische und pfingstkirchliche Gemeinden und Organisationen als gefährlich dar und warf ihnen religiösen Machtmissbrauch vor. Zu den kritisierten Organisationen gehören das Stuttgarter Gospel Forum unter Leitung von Pastor Peter Wenz, die TOS Gemeinde Tübingen (Tübinger Offensive Stadtmission) mit Pastor Jobst Bittner und Gaby Wentland (Hamburg) mit ihrem Verein „Mission Freedom“ (Mission Freiheit).

    Wenz: Antichristliche Stimmungsmache

    Wenz schreibt jetzt in einer persönlichen Erklärung, nach Prüfung aller Vorwürfe habe sich kein Kritikpunkt als zutreffend erwiesen: „Wir haben bei uns weder problematische Strukturen, noch nutzen wir den Glauben als Machtfaktor. Im Gegenteil: Demut, gegenseitige Wertschätzung und Hochachtung sind bei uns von höchstem Wert!” Wenz kritisiert die Recherchemethoden der NDR-Mitarbeiterinnen. So seien Fernsehaufnahmen gegen den Willen von Besuchern gemacht worden. Gemeindemitglieder seien mit Fangfragen subtil unter Druck gesetzt worden. Journalisten hätten Menschen auf einer psychosozialen Station in Stuttgart angerufen und bedrängt, von angeblichen Machenschaften im Gospel Forum zu berichten. Falsch sei auch die Aussage, Wenz sei nicht zu einem Interview bereit gewesen. Schriftlich habe er alle sechs Fragen der Journalisten beantworte, doch die Antworten seien nicht wiedergegeben worden. Wenz fordert alle Christen auf, ihre Stimme gegen Versuche zu erheben, den Glauben an Jesus in den Dreck zu ziehen: „Nach allen antisemitischen Äußerungen in den letzten Wochen auf Deutschlands Straßen brauchen wir jetzt nicht auch noch eine antichristliche Stimmungsmache durch die Öffentlich-Rechtlichen.”

    TOS: „Verkürzte und verzerrte Darstellungen”

    Die TOS-Gemeinde weist ebenfalls „verkürzte und verzerrte Darstellungen” zurück. So sei es falsch, dass von Mitgliedern verlangt werde, eine vollständige Auflistung ihrer Sünden zu erstellen. Richtig sei, dass in Seminaren die Möglichkeit zur persönlichen Beichte angeboten werde. Als Hilfsmittel diene manchmal ein Beichtspiegel. Dessen Sinn habe Bittner in einem nicht ausgestrahlten Teil des Interviews erläutert. Es handele sich nicht um einen Moralkatalog, sondern um einen Spiegel, an dem man sein Gewissen prüfen könne. Beichte und Beichtspiegel seien Teil der christlichen Tradition. In der katholischen, orthodoxen und lutherischen Kirche gelte die Beichte als Sakrament. Falsch sei auch der Vorwurf, TOS versuche, Menschen durch Ausdrucksformen charismatischer Frömmigkeit an sich zu binden. Vielmehr glaubten charismatische Gemeinden, dass das Wirken des Heiligen Geistes gemäß der Bibel auch mit körperlichen Manifestationen einhergehen könne. Diese Erfahrungen würden jedoch nicht als Grundlage oder Voraussetzung des Glaubenslebens gesehen.

    Wentland: Video ist seit vorigem Jahr vom Markt

    Wentland kämpft mit ihrem Verein gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution. Dafür war sie am 20. Februar in Berlin mit dem Bürgerpreis der deutschen Zeitungen ausgezeichnet worden. In dem NDR-Film wurde ihr vorgeworfen, sie gehöre einer streng bibeltreuen Gemeinde an und werbe in einem Video mit der erfundenen Geschichte einer angeblich Zwangsprostituierten. Dies weist Wentland zurück. Bereits im November 2013 sei die DVD vom Markt genommen worden; das habe sie der Autorin Fuchs auch schriftlich mitgeteilt. Die dargestellte Frau sei nach eigener Darstellung vor über neun Jahren aus der Prostitution geflohen und habe Wentlands Gemeinde eine Zeitlang besucht. Dabei habe sie ihre Geschichte erzählt. Im Team von „Mission Freedom” seien eine Ärztin und Psychologen tätig, so Wentland. Sie und Wenz gehören dem Vorstand der Deutschen Evangelischen Allianz an.

    Kritik von Evangelischer Allianz

    Auch bei dieser Dachorganisation von rund 1,3 Millionen Evangelikalen aus Landes- und Freikirchen ist der NDR-Film auf Kritik gestoßen. Der Vorsitzende, Michael Diener (Kassel), verwahrte sich gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea dagegen, Evangelikale unter einen „Generalverdacht“ zu stellen. Diener: „Wir erwarten von Fernsehbeiträgen gerade öffentlich-rechtlicher Sender, dass sie sich um ein differenziertes Bild auch der Evangelikalen bemühen und nicht einseitig nur auf teils durchaus negativ zu betrachtende Erscheinungen hinweisen.“

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