Kirchengeschichte: Der Mentalitätenforscher


Lehrer aus Leidenschaft: Arnold Angenendt. Foto: Christoph Boeckheler
Revolutionen sind ein klassischer Gegenstand der Geschichtswissenschaft. Mitunter ereignen sie sich aber auch im Metier selbst. In den 1980er Jahren schickte sich der katholische Kirchenhistoriker Arnold Angenendt an, sein Fach von Grund auf zu verändern.

Von Joachim FrankFrankfurter Rundschau

Statt auf die Institution Kirche, das Agieren ihrer Funktionäre im Wandel der Zeiten zu schauen und dabei von einem dogmatisch vorgefassten Begriff der Kirche als Körperschaft göttlicher Stiftung auszugehen, fragte Angenendt, von 1981 bis zu seiner Emeritierung 1999 Professor an der Universität Münster, nach Mentalitäten und Lebensformen des Christentums in seinen kulturellen und sozialen Bezügen. Er machte die französische „Annales-Schule“ und die „Nouvelle histoire“ für die kirchengeschichtliche Forschung fruchtbar.

Damit nahm er – mit den Worten seines Schülers und heutigen Tübinger Kollegen Andreas Holzem – einen „methodischen und didaktischen Wachwechsel vor“. Es habe damals in Deutschland niemanden mit einem vergleichbaren innovativen Potenzial gegeben wie Arnold Angenendt. Und wenn die Kirchengeschichte, namentlich die katholische, als Disziplin heute anschlussfähig für die Allgemeingeschichtsschreibung ist, Gesprächspartnerin auf Augenhöhe – dann sei das wesentlich Angenendts Verdienst, ergänzt die bei ihm habilitierte Bonner Kirchenhistorikerin Gisela Muschiol.

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