Heilige Lärmbrüder


Neuer und alt eingesessener Religionslärm: Verfassungsmässig gleich zu behandeln, eigentlich. Bild: news.ch
Wieso man sich nicht nur beim heiligen Bimbam auch mal für Gleichbehandlung und -berechtigung stark machen könnte, statt ihr immer nur im Weg zu stehen.

Von Valentin Abgottsponnews.ch

Es wurde diese Woche berichtet, dass im Raume Zürich über die Hälfte der Kirchgemeinden ihren Glocken mehr oder weniger freiwillig (d.h. auf Drängen der Anwohner, seltener wegen Gerichtsprozessen) eine Nachtruhe verordnet haben. Das ist begrüßenswert.

Juristisch ist es so, dass Glockenlärm eben kein «Lärm» sei. D.h. die von den Glocken verursachten Geräusche sind kein ungewolltes Nebenprodukt beispielsweise von Verkehr oder Industriemaschinen, sondern es ist genau gerade intendiert, dass die Töne von den Anwohnern wahrgenommen werden sollen. Daher müssen sich die Geräusche von Kirchtürmen nicht an die nationale Lärmschutzverordnung halten. Ich halte diese Argumentation für an den Haaren herbeigezogen. Es ist für die Kirchen kein Aufwand, die Glocken abzustellen. Und ich halte es nicht für ein von der Religionsfreiheit abgedecktes Recht, die Umgebung durchdringend und fortwährend zu beschallen. Obwohl man juristisch also immer wieder gegen den Lärm oder eben Nicht-Lärm scheitert, sind immer mehr Kirchgemeinden vernünftig und wollen nicht auch nachts noch ihr Revier akustisch markieren. Das Revier gehört ihnen ja ohnehin nicht mehr.

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