Auch deutsche Juden überlegen auszuwandern


Bild: brightsblog
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Der Antisemitismus der Islamisten hierzulande verängstigt die Juden. Er führt dazu, dass einige von ihnen wie ihre französischen Glaubensbrüder an eine Ausreise denken. Das darf nicht geschehen.

Von Filipp PiatovDIE WELT

Das Warschauer Getto ist kein guter Ort, um sich zu erinnern. Nicht, wenn man aus Deutschland kommt und aufwendige Denkmäler gewöhnt ist. In Warschau ist die Geschichte ein Teil des Alltags geworden, die Überreste der Gettomauer stehen inmitten von Wohnhäusern. Nur eine kleine Plakette erinnert an die Bedeutung der Mauer, die Hunderttausende Juden auf engstem Raum zusammenpferchte. Die Juden selbst haben ihren Platz im Warschauer Alltag verloren. Das ehemalige Zentrum des europäischen Judentums schafft es nicht einmal, eine einzige Synagoge am Freitagabend zu füllen.

Die Folgen für das jüdische Leben in Deutschland und Polen, Täter- und Opferland, verbinden Parallelen. In beiden Ländern wurde die ansehnliche jüdische Minderheit bis auf ein Minimum dezimiert, doch während man in Deutschland zumindest auf höchster politischer Ebene darum bemüht ist, jüdisches Leben zu fördern, kam in Polen angesichts der eigenen Opferzahlen die Wiederherstellung jüdischen Lebens zu kurz. Wie in so vielen Ländern trennte man immer jüdische von einheimischen Opfern.

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