Ein Gotteskraut als Massendroge


Kokastrauch / Bild: EPA
Der Anbau der Kokapflanze sichert das Überleben der bolivianischen Bauern. Doch was zunächst für den Inlandskonsum gedacht war, hat einige Regionen der Welt ins Chaos gestürzt.

Von Andreas FinkDie Presse.com

Man muss ihn nicht sonderlich zart anfassen. Der Kokastrauch ist ein zähes Gewächs, das ist leicht zu erkennen, wenn man Doña Elvira bei der Ernte zusieht. Mit jahrzehntelanger Übung lässt sie die flexiblen Zweige der brusthohen Pflanze von innen nach außen durch ihre robusten Finger gleiten. Die abgerupften Blätter, oval, saftig grün, etwa fünf Zentimeter lang, sammelt sie in jenem Mehlsack, den sie sich um den Bauch gebunden hat. Binnen dreier Minuten hat sie die Staude entlaubt und nimmt sich die nächste vor.

Erntealltag in den Yungas, den Regenwäldern an Boliviens östlichem Andenabhang. Eine Landschaft, die akademische Maler kaum perfekter hätten ins Bild setzen können, voll gierigem Grün, stürzenden Wasserfällen, rollenden Hügeln, über deren Gipfel sich Nebelfetzen verhaken, und dem verschneiten Hochgebirge im Hintergrund. Jenseits des Tals hockt auf einem Bergrücken die Provinzmetropole Coroico. Und am Hang gegenüber geht Vegetation in Rauch auf, ein neues Feld entsteht, für noch mehr Koka.

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