Zweiter Weltkrieg: Viele Kirchenleute blieben stumm


Gott_mit_uns_1WKMit dem deutschen Überfall auf Polen begann vor 75 Jahren der Zweite Weltkrieg. Die Kirchen riefen zwar nicht mit „Hurra“ zu den Waffen, hielten sich aber mit Kritik zurück. Nur einzelne Geistliche erhoben ihre Stimme – oft mit Konsequenzen.

Von Nils Sandrisserevangelisch.de

Die ersten Schüsse des Zweiten Weltkriegs fallen frühmorgens. Kurz vor Sonnenaufgang beschießt das deutsche Schulschiff „Schleswig-Holstein“ am 1. September 1939 die polnische Garnison auf der Westerplatte, einer Halbinsel bei Danzig. Aus deutschen Flugzeugen fallen Bomben auf polnische Städte, Panzer rollen über die Grenze. Hitler überfällt den östlichen Nachbarn. Im Reichstag gibt er den Angriff am Vormittag als Verteidigungsaktion aus, eine dreiste Lüge. Es ist der Beginn eines Krieges, der sechs Jahre dauern wird und in dem mehr als 60 Millionen Menschen sterben.

Von den großen Kirchen Deutschlands kommt kaum Widerspruch zu dem Feldzug. Sie fallen – nach einem Wort des evangelischen Widerstandkämpfers Dietrich Bonhoeffer – dem Rad nicht in die Speichen. Ein großes Hurra der Kirchen wie noch im Ersten Weltkrieg gibt es zwar nicht, protestantische und katholische Theologen bleiben angesichts des Kriegsausbruchs aber meist stumm oder äußern sich sogar bestärkend.

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2 Comments

  1. Die Oberhirten beider Amtskirchen haben die Machtergreifung der NAZI aufs Extremste bejubelt und sind bis 1945 nicht davon abgewichen. Bei 50% NSDAP Mitgliedschaft gab es fast niemanden, der 1939 gegen den Krieg war. In den NAZI KZs sterben 1034 Priester, darunter 868 Polen als arische Säuberung des Klerus. Das RKK „Hilfswerk beim Bischöflichen Ordinariat Berlin“ unter Dompropst Lichtenberg, später unter Bischof Konrad Graf Preysing informiert ab 1938 die Bischöfe und den Vatikan über Deportationen von Juden und ab 1942 auch über SS-Erschiessungskommandos im Osten.

    RKK Prälat Dr.Dr. Ludwig Kaas als Vorsitzender der Zentrumspartei 1932
    „Niemals ist der Ruf nach einem Führertum großen Stils lebendiger und ungeduldiger durch die deutsche Volksseele gegangen als in den Tagen, wo die vaterländische und kulturelle Not uns allen die Seele bedrückt“.

    Kardinal Adolf Bertram als Vorsitzender der Deutschen Bischöfe 1933
    „Der Episkopat aller Diözesen Deutschlands hat, wie die öffentlichen Kundgebungen erweisen, soweit es nach der Neugestaltung der politischen Verhältnisse durch Eurer Exzellenz (Hitler) Erklärungen ermöglicht wurde, sogleich die aufrichtige und freudige Bereitwilligkeit ausgesprochen, nach bestem Können zusammenzuarbeiten mit der jetzt waltenden Regierung, die die Gewährleistung von christlicher Volkserziehung, die Abwehr von Gottlosigkeit und Unsittlichkeit, den Opfersinn für das Gemeinwohl und den Schutz der Rechte der Kirche als Leitsterne ihres Wirkens aufgestellt hat.“

    Fuldaer Bischofskonferenz vom August 1933
    „Der Einrichtung von Gottesdiensten in Konzentrationslagern stehen Schwierigkeiten von Seiten der Lagerleitung angeblich nicht entgegen, die Einrichtung muß nach Bedarf von kirchlichen Stellen beantragt werden“ Die moralisch edlen NAZI Christen betreiben eigene Arbeitslager mit „minderwertigen Elementen“ und vermieten sie als billige Arbeitssklaven, die Kriegsindustrie deckt bis zu 25% des Bedarfs.

    Der erfundene RKK Widerstandsheld Bischof Clemens August Graf von Galen bejubelt schon 1933 die brutale Gewalt des NAZI Regimes „Wir wollen Gott dem Herrn für seine liebevolle Fügung dankbar sein, welche die höchsten Führer unseres Vaterlandes erleuchtet und gestärkt hat, daß sie die furchtbare Gefahr, welche unserem geliebten Volke durch die offene Propaganda für Gottlosigkeit und Unsittlichkeit drohte, erkannt haben und sie auch mit starker Hand auszurotten suchen.“ und verhöhnt 1942 die Soldaten: „…auch zur besonderen Ehrung, die wir unseren gefallenen Kriegern schulden… Sie wollten in einem neuen Kreuzzug mit dem Feldgeschrei ‘Gott will es’ den Bolschewismus niederringen, wie es vor wenigen Tagen der spanische Befreier Franco in einer Rede zu Sevilla mit christlicher Zielsetzung rühmte.“ Das Todesurteil von 1943 für den Priester Roland Metzger durch Roland Freisler lobt er schriftlich im Dankesschreiben an den willigen NAZI-Büttel „in hoher Verehrung und Wertschätzung“.

    Landesbischof und NSDAP Genosse August Marahrens gelobt 1936 Hitler ewige Treue, auch noch 1944 nach dem Attentat, den Juden Morden und zerbombten Städten: „Wir wiederholen es […], dass wir unzählige Male seit dem Anbruch unseres nationalsozialistischen Staates öffentlich und feierlich erklärt haben: daß wir in Opferbereitschaft und Treue für diesen Staat einzutreten bereit sind. Es ist also bis auf diese Stunde die Verdächtigung politischer Unzuverlässigkeit unbegründet und, von wo aus sie auch versucht werden sollte, nachdrücklich und feierlich abzuweisen.“

    Die evangelischen Landeskirchen erklären 1941: „Als Glieder der deutschen Volksgemeinschaft stehen die unterzeichneten deutschen Evangelischen Landeskirchen und Kirchenleiter in der Front dieses historischen Abwehrkampfes, der u.a. die Reichspolizeiordnung über die Kennzeichnung der Juden als der geborenen Welt- und Reichsfeinde notwendig gemacht hat, wie schon Dr. Martin Luther nach bitteren Erfahrungen die Forderung erhob, schärfste Maßnahmen gegen die Juden zu ergreifen und sie aus deutschen Landen auszuweisen.“

    EKD Präses Wilhelm Mensing-Braun bescheinigt 1960 seinem NAZI Freund Adolf Eichmann eine „grundanständige Gesinnung, ein gütiges Herz, große Hilfsbereitschaft, er wäre für ihn nicht vorstellbar, dass Eichmann je zu Grausamkeit oder verbrecherischen Handlungen fähig gewesen wäre“.

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