Thüringen: Versagt bei der NSU und LKA-Toilettenpapier


Überwacht: In der Niederlassung des Landeskriminalamtes im Erfurter Vorort Waltersleben begann die Jagd auf den Toilettenpapier-Dieb, die später auch den Verfassungsschutz beschäftigte. Foto: Sascha Fromm
Erst jagte Thüringens Polizeiführung einen Toilettenpapier-Dieb und dann den angeblichen Verräter der bizarren Aktion. Und alle zuständigen Instanzen machten mit.

Von Martin DebesThüringer Allgemeine

Drei Jahre ist es her, dass im Landeskriminalamt (LKA) ein großer blauer Sack mit Toilettenpapier überwacht wurde. Die Putzfrauen hatten beklagt, dass Papierrollen fehlten. Also montierten Spezialbeamte, die sich sonst um Schwerkriminelle und Mafiosi kümmerten, eine Kamera und eine für 3000 Euro eigens beschaffte Schleuse, um die Kollegen durch den Staatsschutz überwachen zu lassen. Das Klopapier wurden mit elektronischen Etiketten versehen: Falls der Dieb die Schleuse passiert, würde es piepen. Bloß, es piepte nicht ein einziges Mal. Der angebliche Täter wurde nie gefasst. Als die Geschichte 2012 publik wurde, war das LKA maximal blamiert. Die sogenannte Klopapier-Affäre platzte in die Zeit, in der ständig neue Details dazu bekannt wurden, wie Polizei, Staatsanwaltschaft und Verfassungsschutz bei der Fahndung nach drei bombenbauenden Neonazis versagt hatten. Selbst internationale Medien berichteten angemessen hämisch.

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