Brasilien: Mit der Bibel ins Parlament


Blick auf die Stadt Rio de Janeiro (Picture Alliance / dpa / EPA / Marcelo Sayao)
Im traditionell katholischen Brasilien wächst die Anhängerschaft evangelikaler Kirchen. Um ihren Einfluss auf die Gesellschaft zu stärken, begnügen sich die evangelikalen Kirchenführer nicht nur damit, in ihren Gemeinden und in den Medien Position zu beziehen. Sie haben auch eine starke politische Vertretung.

Von Victoria EglauDeutschlandradio Kultur

Penha, ein Vorort von Rio de Janeiro. Hier befindet sich eine Niederlassung der Assambléia de Deus, der größten Pfingstkirche Brasiliens. Der kahle Raum mit den weißen Wänden ist an diesem Sonntagabend bis auf den letzten Platz gefüllt. Ein Pastor in tadellos sitzendem Anzug und Krawatte hält eine flammende Predigt, die Gemeinde hängt an seinen Lippen. Besonders mitreißende Passagen begleitet sie mit zustimmenden Ausrufen, wie „Amen“ und „Ehre sei Gott“.

Über der Kanzel prangt in großen Lettern nur ein Wort: Jesus. Zwei Stunden dauert der Gottesdienst der Assambléia de Deus, der Gottesversammlung. Danach verlassen die Gläubigen – einige Hundert an der Zahl – beschwingt die Kirche, unter dem Arm ihre Bibeln.

Auf der Straße stehen manche noch eine Weile in Grüppchen zusammen.

„Ich finde diese Kirche spektakulär. Der Pastor ist ein Mann Gottes, er predigt toll. In dieser Kirche spricht Christus selbst zu uns. Wer hierher kommt, wird glücklicher, wird stärker, kann sich mehr kaufen, wird menschlicher.“

Begeistert sich eine Frau, die sich für den Kirchgang fein gemacht hat. Die Assam-bléia de Deus hat mehr als zwölf Millionen Mitglieder und ist die erfolgreichste der evangelikalen Kirchen, die dem Katholizismus in Brasilien kräftig das Wasser abgraben.

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