„Islamischer Staat“ in Istanbul


Screenshot aus dem Vice-Film über den Islamischen Staat. Bild: heise.de
Der IS nutzt die Türkei als Durchgangsland und etabliert Drohpotential weit über Syrien und den Irak hinaus
Mitglieder des Islamischen Staates (IS) im Irak drohen vor den Kameras von Vice damit, Istanbul zu erobern. Nicht aus dem Nichts heraus, sondern als Botschaft an die türkische Regierung, sollte sie nicht weiter kooperieren.

Von Gerrit WustmannTELEPOLIS

Kurz zuvor hatte die Türkei den Atatürk-Damm teilweise geschlossen und damit die Wasserzufuhr über den Euphrat gedrosselt. Das nahm einigen vom IS im Irak kontrollierten Dämmen ihr Drohpotential. Der türkische Energieminister Taner Yildiz zeigte sich von der Drohung unbeeindruckt. Noch kann er sich das leisten. Denn der IS, der die Türkei bis dato ungehindert als Durchgangs- und Rückzugsland nutzt, würde sich mit Aktionen gegen türkische Bürger auf türkischem Boden selbst schaden. Doch die Situation kann jederzeit kippen. Die offizielle Haltung der türkischen Regierung zum IS ist ablehnend, aber es gibt berechtigte Zweifel.

Der neue türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu (AKP) stellte zuletzt mehrfach klar, dass der IS keinerlei Unterstützung durch die türkische Regierung erhält. Einige Medien hatten nach einer Rede am 7. August berichtet, Davutoglu habe zugleich gesagt, er halte den IS nicht für eine terroristische Gruppierung, doch dabei handelte es sich wahlweise um eine falsche Übersetzung eines Zitats oder um bewusste Manipulation, die der Sache wenig dienlich ist. Es mag sein, dass eine aktive Unterstützung nicht stattfindet, sicher ist das aber keineswegs. Denn nach der Abkehr von der vormals engen Bindung zu Syriens Präsident Assad beteiligte sich die Türkei an den Ambitionen, diesen zu stürzen und kooperierte daher wie zahlreiche andere Staaten auch mit radikalen Kämpfergruppen in Syrien. Dass der IS in dieser Phase direkt oder indirekt profitierte, ist anzunehmen.

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