Ethik gegen die Epidemie


Ein Mädchen in der liberischen Hauptstadt Monrovia. Foto: AFP
Yale-Professor Thomas Pogge macht Philosophie praktisch: Er will, dass Arzneimittel für Arme bezahlbar werden.

Das Gespräch führte Michael HesseKölner Stadt-Anzeiger

Professor Pogge, anstatt als Schreibtischphilosoph zu arbeiten, wollen Sie die Welt verändern. Sie setzen sich für die globale medizinische Gerechtigkeit ein, was angesichts der Ebola-Epidemie in Afrika besondere Aktualität hat. Warum sollten Pharmafirmen ihrem Konzept folgen, Medikamente zum günstigsten Preis anzubieten, wenn es auch teurer geht?

Thomas Pogge: Der Hauptgrund ist, dass sie statt des verlorenen Aufpreises ja eine andere Belohnung bekommen, nämlich eine jährliche Prämie, deren Höhe sich nach den durch das jeweilige Medikament erzielten Gesundheitsauswirkungen richtet. Bei wirklich wichtigen Medikamenten für häufig auftretende Krankheiten kann dabei schon eine recht ansehnliche Summe herausspringen. Hinzu kommt, dass eine Firma, die ein Medikament zum Kostenpreis und damit auch für arme Patienten in aller Welt erschwinglich verkauft, natürlich in der Öffentlichkeit ein weit besseres Ansehen genießt als eine andere, die auf die Herstellungskosten 4000 Prozent draufschlägt. Auch Angestellte solcher Firmen, Forscher zum Beispiel, würden viel lieber an Projekten arbeiten, deren Ergebnisse der großen Mehrheit der Menschheit zugute kommen. Momentan ist es mit dem Ansehen der Pharmaindustrie nicht gerade weit her, was diese Firmen politisch verwundbar macht.

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