Jesuit Mertes warnt vor kirchlichem „Institutions-Narzißmus“


Klaus Mertes, Bild: kolleg-st-blasien.de
Anstoßgeber für Missbrauchsaufarbeitung in Deutschland bei Besuch in Wien: Kirche muss vor Gewalt schützen „und nicht die Institution vor den Betroffenen der Gewalt schützen“

kathweb

Vor einem kirchlichen „Institutions-Narzißmus“ hat der deutsche Jesuit und Missbrauchs-Experte Klaus Mertes gewarnt. Dabei sei die Institution so sehr „in sich selbst verliebt“, dass sie nicht mehr spüre, „was sie anderen antut und die eigenen hässlichen Seiten nicht mehr sieht“, sagte Mertes bei einem Besuch in Wien. Er äußerte sich am Rand eines „Theologischen Tages“ am Donnerstag im Wiener Kardinal-König-Haus zum Thema „Verlorenes Vertrauen? Katholisch sein heute“.

Nach dem kirchlichen Missbrauchsskandal, zu dessen Bekanntwerden und Aufarbeitung der damalige Rektor des Jesuitengymnasiums Canisius-Kolleg Berlin mit einem Anfang 2010 publik gewordenen Brief an Absolventen maßgeblich beigetragen hatte, sei viel an Aufklärung, Entschädigungsleistungen und Prävention geschehen, wies Mertes hin. Es gebe aber weiterhin Segmente in der Kirche, die sich mit einer „behäbigen Selbstgerechtigkeit“ diesen Prozessen verweigern und dadurch letztlich „das Evangelium verraten“ würden. Denn sie meinten trotz gegenteiliger Rhetorik, der Umkehr und der Reue nicht zu bedürfen.

weiterlesen

1 Comment

Kommentare sind geschlossen.