Wenn es keinen Gott gibt, kann es auch keine Gotteskrieger geben


Klassisches Vorbild für die Bilderstürmer des „Islamischen Staates“ ist der Film „Lawrence of Arabia“. Bild: Imago
Krieg vernebelt die Sinne und trübt das Sprachvermögen. Der Krieg ist die hohe Zeit der Phrasen. Was insbesondere der dümmste aller Gemeinplätze zeigt, der pünktlich zu jedem Kriegsbeginn auftaucht: „Die Wahrheit ist das erste Opfer des Krieges.“ Im Krieg wird am meisten gelogen, heißt es. Tatsächlich aber wird nicht nur im Krieg gelogen. Bereits in der Zeit davor gibt es keine zwingende Wahrheit. Schließlich ist das wesentliche Mittel der Politik die Lüge. Und der Krieg ist nur die Fortsetzung der Politik mit erweiterten Mitteln. Krieg ist die Zeit der forcierten Lüge.

Von Michael Ringeltaz.de

Kürzlich bezeichnete die Süddeutsche Zeitung die Fanatiker des selbsternannten „Islamischen Staats in Irak und Syrien“ (ISIS) als „Pol-Pot-Islamisten“. So wie in den siebziger Jahren die Roten Khmer unter Pol Pot Kambodscha mit ihrer radikalen Ideologie in eine gesellschaftliche Steinzeit befördern wollten und dabei Millionen Menschen töteten, so würden nun die ebenfalls in schwarze Kleidung gewandeten ISIS-Kämpfer einen „neuen Bildersturm“ auslösen, meinte die SZ-Korrespondentin Sonja Zekri und ging nach dem bewährten journalistischen Grundsatz vor, dass man etwas Neues mit alten Bildern erklären muss, um dem Leser ein Phänomen verständlich zu machen. Ähnlich verfuhr kurz darauf der Schriftsteller Navid Kermani, als er in der Berliner Zeitung vor einer „Pol-Pot-Version des Islam“ warnte.

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