Intoleranz: Wenn Religion Angst macht


Pro-Köln-Anhänger demonstrieren am 8.5.2009 in Leichlingen. Pro Köln wendet sich unter anderem gegen den Bau von Moscheen in Deutschland. (dpa / picture alliance / Rolf Vennenbernd)
Die US-amerikanische Philosophin Martha Nussbaum untersucht in ihrem neuen Buch die Hintergründe der neuen religiösen Intoleranz. Ihr Fokus liegt auf Europa und den USA, wo sie eine zunehmende, irrationale Angst vor dem Islam, aber auch anderen Religionen wie dem Judentum ausmacht.

Von Kersten KnippDeutschlandfunk

In diesen Wochen jagen Kämpfer der Terrororganisation „Islamischer Staat“ Hunderttausende sogenannter „Ungläubiger“ vor sich her: Jesiden, Christen, Schiiten und teils auch jene Sunniten, die ihrer extremistischen Lesart der Religion nicht folgen wollen. Mit kaum für möglich gehaltener Brutalität gehen die Terroristen gegen ihre Opfer vor: Sie durchkämen ganze Landstriche, vertreiben deren dort seit Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden ansässigen Bewohner, enteignen sie, stellen sie vor die Wahl, sich entweder zu radikalen Spielformen des sunnitischen Islams zu bekennen oder die Gegend zu verlassen. Tausende dieser „Ungläubigen“ ereilt ein noch schlimmeres Schicksal: Sie werden auf oft bestialische Weise getötet. Die fast schon vergessene „Enthauptung“ hat durch die Berichterstattung über den „Islamischen Staat“ im deutschen Sprachgebrauch inzwischen wieder eine prominente Position eingenommen. Die religiöse Intoleranz feiert unter der Herrschaft der Terrororganisation „Islamischer Staat“ kaum mehr für möglich gehaltene Triumphe.

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