Antisemitismus: Eskalation der Feindseligkeit


Bild: brightsblog
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Im Windschatten teils inakzeptabler Entscheidungen der israelischen Regierung hat sich alter Judenhass neu formiert. Für viele sind die „Zionisten“ ein willkommenes Feindbild.

Von Joachim FrankFrankfurter Rundschau

Die Metaphorik scheint identisch zu sein, und doch hat sich die Tonalität geändert, seitdem das politische, gesellschaftliche und kulturelle Establishment in Deutschland 2000 zum „Aufstand der Anständigen“ gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus blies. Es war die typische Rhetorik in den frühen Jahren der Ära Schröder-Fischer: immer auf dem kühnen Höhenflug, immer ein bisschen zu vollmundig, immer eine Spur zu viel Testosteron. Und bei genauem Hinhören doch seltsam blutleer, unbeteiligt.

Heute, 14 Jahre später, ruft der Zentralrat der Juden wieder zu einer Demonstration: „Steh auf!“, heißt es diesmal, schon aktiver, direkter, drängender. Und dann: „Nie wieder Judenhass.“ Das fasst Erfahrungen drastisch ins Wort, die Juden in Deutschland – und anderswo – in jüngster Zeit als zunehmend beängstigend wahrnehmen: ungebremste Verbalattacken, offene Feindseligkeit bis zu angedrohter und verübter Gewalt. Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats und gemeinhin ein distinguierter Mann, hat daraufhin von der schlimmsten Zeit seit der Nazi-Ära gesprochen.

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