Die Türkei ist das Drehkreuz des globalen Dschihad


Präsident Recep Erdogan (M.) besucht das Mausoleum des Staatsgründers Atatük in Ankara. Erdogan hat lange geglaubt, er könnte die islamistische Opposition gegen Assad kontrollieren. Nun wird der Terror auch für ihn zum Problem Foto: AFP
Der Islamische Staat wirbt in der Türkei ganze Familien für seinen bestialischen Krieg, doch die türkische Regierung reagiert nur verhalten. Lange Zeit lieferte Erdogan syrischen Islamisten Waffen.

Von Banu Güven und Claus Christian MalzahnDIE WELT

Als Fadil Dag vom Tod seines jüngsten Sohnes Orhan erfuhr, schluckte er die Tränen herunter. Dag wollte seinem neunjährigen Enkel die Geburtstagsfeier nicht verderben. Seiner Frau ging es sowieso nicht gut, sie litt an Diabetis. Und seine Tochter, die Lehrerin werden wollte, hatte in zwei Tagen eine wichtige Prüfung vor sich. Also schnitt der 52-jährige Bauarbeiter in seinem Haus in Adana den Familienkuchen an und tat so, als sei nichts geschehen. Doch wer genau hinsah, bemerkte, dass seine Hände zitterten.

Dags Sohn Orhan war mit 28 Jahren in Syrien gefallen. Er hatte sich von seiner Familie losgesagt und den Kämpfern des Islamischen Staates (IS) angeschlossen. „Wir haben uns immer um ihn gekümmert“, sagt Fadil Dag. „Und dann haben sie ihn von uns gestohlen.“

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