Ulrich Chaussy über das Oktoberfest-Attentat und die NSU-Mordserie


Gedenkveranstaltung der DGB Jugend München zum Oktoberfestattentat am 26.09.1980. Bild:wikimedia.org/PD
Am 26. September jährte sich zum vierunddreißigsten Mal der Bombenanschlag auf das Oktoberfest, bei dem 13 Menschen starben und über zweihundert Menschen zum Teil schwer verletzt wurden. Bis zum heutigen Tag gilt offiziell der damals 21jährige Geologie-Student Gundolf Köhler als Einzeltäter, obwohl diese Einschätzung mittlerweile massiv in Zweifel gezogen wird.

Von Reinhard JellenTELEPOLIS

Kritiker dieser These weisen darauf hin, dass bei der Ermittlungsarbeit der Polizei schwere Fehler passiert sind und sehen Parallelen zu den mangelhaften Untersuchungen der Behörden zur Mordserie des NSU. Diese zieht auch der Journalist Ulrich Chaussy, der mit seinen Sendungen, Artikeln und Buchveröffentlichungen maßgeblich Anteil daran hatte, dass die Beteiligung Rechtsradikaler beim Wiesn-Attentat in der Öffentlichkeit überhaupt ein Thema wurde.

Herr Chaussy, nach der Uraufführung des Filmes Der blinde Fleck im Bayerischen Landtag am 11. Juni 2013 haben Sie Innenminister Joachim Herrmann aufgefordert, dem Anwalt der Attentatsopfer Werner Dietrich die im Landeskriminalamt verwahrten Spurenakten des Oktoberfestattentats zugänglich zu machen. Was ist daraus geworden?

Ulrich Chaussy: Innenminister Herrmann hat seine im Sommer 2013 gegebene Zusage eingehalten. Ab Anfang 2014 hat Rechtsanwalt Werner Dietrich die Spurenakten durcharbeiten können. Er hat das Mandat damals geschädigter Opfer. Diese Akten waren zwar mit einigen Schwärzungen versehen, aber man kann nach Werner Dietrichs Angaben damit arbeiten, und die Frucht dieser Arbeit wird sich in seinem dritten Antrag auf Wiederaufnahme der Ermittlungen niederschlagen, den Rechtsanwalt Werner Dietrich in diesen Tagen einreichen wird.

Werner Dietrich hat ja davon bereits etwas in der Öffentlichkeit bekundet: Unmittelbar nach der Tat haben die Behörden durch die geständigen Rechtsterroristen der Deutschen Aktionsgruppen, die im August 1980 nach ihrem letzten tödlichen Brandanschlag in Hamburg verhaftet worden sind, Nachricht darüber erhalten, dass der damals dringend gesuchte Sprengstoff der Oktoberfest-Bombe eventuell von dem niedersächsischen Rechtsextremisten Hans Lembke stammen könnte.

Wie Herr Dietrich herausgefunden hat, enthielt diese Aussage auch den Hinweis, dass Lembke seine Sprengstoffvorräte in Erddepots verwahrte. Aber die darauf angeordnete Durchsuchung hat nur in Lembkes Haus stattgefunden, wo man nichts fand. Diese Spur blieb liegen, bis ein Jahr später ein Waldarbeiter per Zufall eines dieser Erd-Depots fand und Lembke verhaftet wurde. Hier ist interessant, wie man es trotz dieses detaillierten Wissens verabsäumte, dem Hinweis genau nachzugehen. Solche Sachen werden in dem Antrag von Herrn Dietrich stehen und man wird darauf warten müssen, wie die Bundesanwaltschaft darauf reagiert.

weiterlesen

2 Comments

  1. Nach dem Lesen der Dissertation von Daniele Ganser „NATO-Geheimarmeen und inszenierter Terrorismus in Europa im Kalten Krieg“ mit der er im September 2001 an der Universität Basel promovierte, drängt sich ein Vergleich zu den Attentaten auf den Bahnhof von Bologna und auf die Mailänder Bank auf. NATO inspirierten Attentate gegen die Zivilbevölkerung wurde in Italien -durch die in Europa einzigartige Weisungsfreiheit der Strafverfolgungsbehörde – ermöglicht. 😉

    http://de.m.wikipedia.org/wiki/Anschlag_von_Bologna_1980

    Der Italienische Premierminister Andreotti sagte 1990 vor dem Italienischen Senat aus und verwies auf diese rechtsradikale oder nationalistische NATO -stay-behind- Geheimarmee in ganz Europa hin, sogar in der Schweiz und Österreich. Deutschland entzog sich aber der Aufforderung des Europaparlaments, Attentate gegen die Bevölkerung -ob nun rechts- oder links-motiviert, auf den Zusammenhang mit der NATO Untergrundarmee zu untersuchen. 😉

    Das geht bei uns sehr einfach, weil die Bundesanwaltschaft dort ein Ermittelungsmonopol hat und an Weisungen die Bundesregierung gebunden und internationale Verträge in der Aufklärung beschränkt ist.

    Auch der NSU Komplex müsste auf einen Zusammenhang mit NATO Untergrundarmeen untersucht werden, wobei die umfangreichen Aktenvernichtungen bei den Geheimdiensten zu diesem Komplex möglicherweise alle Spuren verwischte. 😉 😉

    Ein Schuft wer Böses dabei denkt. 😉 😉

    Gefällt mir

Kommentare sind geschlossen.