Die Kirche und ihre Ketzer


Gilt als einer der bekanntesten Ketzer der Katholischen Kirche: Jan Hus. Hier auf einem Portrait des Malers Hans Stiegler Foto: Aristeas / Wikimedia.org| CC-BY-SA 3.0
Der streitbare Kirchenmann Jan Hus wurde im 15. Jahrhundert wegen seines Glaubens verbrannt. Ein ganzes Heft hat „Zeit Geschichte“ der Kirche und ihren Ketzern gewidmet. Die Autoren beleuchten dabei sonderbare Einzelgänger sowie Gemeinschaftsbewegungen und schauen, was von ihren Ideen heute noch übrig geblieben ist.

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Das Heft erklärt, welche geistlichen und weltlichen Mächte hinter dem Kampf für den rechten Glauben standen. Abweichungen vom „richtigen“ Glauben habe die Kirche als List des Satans gesehen und mit Härte verfolgt. Als ein Beispiel werden die Katharer vorgestellt, die die Schöpfungslehre der Katholischen Kirche ablehnten und dafür rigoros verfolgt wurden. Intensiver Folter und Manipulation war auch der Templerorden ausgesetzt. Mit der Inquisition schufen die Päpste im 13. Jahrhundert eine neue Institution. Trotz Folter und Todesstrafe sieht der Geschichtsprofessor Lothar Kolmer darin auch einen rechtsgeschichtlichen Fortschritt. Für Aufsehen sorgten aber auch die Verfahren gegen Kirchenkritiker. Diese gibt es auch in unserer Zeit noch, unter anderem gegen den Theologen Hans Küng, der seine Lehrerlaubnis verlor. Ihre Angst vor abweichenden Lehrmeinungen habe die Kirche bis heute nicht überwunden, schreibt Kolmer. Der Historiker Johannes Fried geht noch weiter und meint, dass nicht zuletzt die „Verteufelung“ des Islams zeige, wie lange so manches mittelalterliche Verdikt fortlebe.

Wie der Prunk der Kurie und Jesu Leben zusammenpassen, untersucht der Tübinger Kirchengeschichtler Volker Leppin am Beispiel des Franziskaner-Ordens. Ihm zufolge habe die Frage nach der Armut die Kirche nie ganz losgelassen und werde immer wieder neu diskutiert. „Dass irgendwann einmal ein Papst ausgerechnet den Namen Franziskus annehmen und in Lehre und Leben die Tradition der Armut betonen würde, hätte sich im Mittelalter allerdings kaum jemand vorstellen können“, bilanziert Leppin.

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