Margot Käßmann: „Es gibt keinen heiligen Krieg“


Margot-Kässmann
Die Protestantin Margot Käßmann und der Muslim Mouhanad Khorchide nehmen im Interview Stellung zu Gewalt und Religion, Pazifismus sowie Parallelen zu Clint Eastwood und dem Vorgehen der IS-Milizen.

Von Joachim Frank und Bascha MikaBerliner Zeitung

Nach der heftigen Debatte über ihre jüngste Kritik an Auslandseinsätzen der Bundeswehr wollte Margot Käßmann eigentlich so schnell nichts mehr zum Thema „Krieg und Frieden“ sagen. Aber die Aussicht auf einen Dialog mit Mouhanad Khorchide, dem Verfechter eines liberalen Islam, reizte die frühere hannoversche Landesbischöfin dann doch. Khorchide ging es nach eigenem Bekunden ähnlich.

„Nicht von außen fremdbestimmen lassen“

Herr Khorchide, Sie predigen einen Islam der Barmherzigkeit. Das Gottesbild, das dahinter steht, passt aber vielen Muslimen nicht.

MOUHANAD KHORCHIDE: Das passt lediglich denen nicht, die nur etwas mit einem repressiven Gott anfangen können, einem Gott, der dem Menschen Gesetze und Vorschriften auferlegt, um seine Macht zu demonstrieren. Er verlangt Gehorsam und droht mit Bestrafung. Mit diesem Gott auf seiner Seite kann man ja viel mehr Macht im Namen dieses Gottes demonstrieren. Solche Vorstellungen eines Diktator-Gottes machen Gott aber klein und minderwertig. Wir tun ihm damit keinen Gefallen. Ich glaube an einen Gott, der meint: „Ihr Menschen, ich will gar nichts von euch. Ich will etwas für euch. Meine Gebote sind nicht für mich gut, sondern für euch.“ Deswegen sehe ich den Islam auch weniger als eine Gesetzesreligion, in der Gesetze Selbstzweck sind, sondern vielmehr als eine geistliche Quelle gelingenden Lebens. Gott ist glücklich, wenn es uns gut geht.

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