Freikirchen: Total close mit Gott


Hillsong United, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0
Die Hillsong-Gemeinde in Konstanz steht für den Erfolg charismatischer Freikirchen. Ist der Glaube der evangelikalen Christen aber wirklich so frei und unverkrampft? Ein Erlebnisbericht.

Von Morten FreidelFrankfurter Allgemeine

Vor dem Gottesdienst ist vor dem Konzert: Jugendliche in Signalwesten weisen Autofahrer auf einem Schotterparkpatz ein, am Eingang der Fabrikhalle bildet sich eine Schlange, die bis auf die Straße reicht. Dahinter ein Schild aus gebürstetem Metall: „Welcome Home“. In der Vorhalle sitzen Menschen auf weiß gestrichenen Europaletten und trinken Cappuccino. „Gleich geht’s los“, sagt ein Mann mit verheißungsvollem Zwinkern.

Und dann kommt Pastor Jan Kohler auf die Bühne. Er sieht aus wie ein Rockstar: Lederjacke, Lederstiefel, enganliegende, schwarze Jeans. „Lasst uns Jesus einen großen Applaus geben!“ Hinter ihm leuchten blaue Neonröhren in die Dunkelheit, vor ihm die Augen der Besucher. Kohler durchmisst die Bühne mit langen Schritten. Er wolle heute von der Heilung des Gelähmten sprechen. Auf einer Leinwand erscheinen Verse aus dem Markus-Evangelium: Jesus war in die Stadt Kapernaum gekommen, und es versammelten sich so viele Menschen um ihn, dass sie nicht genug Platz hatten. „Das liebe ich“, sagt Kohler. „Jesus war da, und alle wussten es. Er hat keine Aufmerksamkeit gefordert, er bekam sie. Das ist das erste, was mir an der Geschichte aufgefallen ist: Dass Jesus so attraktiv ist.“ Es sei so ähnlich wie beim vergangenen Lady-Gaga Konzert: „Lady Gaga war in unserem Hotel, und alle wussten es.“ Es wissen an diesem Sonntagmorgen auch viele, dass Kohler hier ist. Etwa 300 Menschen sind gekommen, um am Gottesdienst der evangelischen Hillsong-Gemeinde in Konstanz teilzunehmen.

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