Missbrauch an der Odenwaldschule – Der Kinderschänder und der Gutmensch


Darf man die Rechte der wirklichen Opfer ignorieren? Menschen erfinden, die es nie gab? Ja, man darf, wenn ein so starker Film wie „Die Auserwählten“ über den Missbrauchsskandal an der Odenwaldschule erzählt.

Von Carin Pawlak—FOCUS ONLINE

Volker ist neu im Internat. Ein bildhübsches Kind, das sein Kuscheltier umschlungen hält, als es gefragt wird, ob es Sport mag. Volker verneint, und der Mann, zu dem er hochsieht, lächelt ihn gütig an und sagt: „Hier wirst du zu nichts gezwungen.“ Volker wird jahrelang von diesem Mann missbraucht werden, Drogen verfallen und sich später das Leben nehmen, auch, weil die eigene Mutter ihm bis zuletzt nicht glauben mag.

Angst und Scham der Opfer

„Ich wollte sprechen, aber ich konnte nicht“, sagt ein Opfer im Film „Die Auserwählten“. Es ist ein Schlüsselsatz, der erklärt, warum sich die Gefühlswelt der Missbrauchten erst nach Jahrzehnten aufschließen wird. Sie hatten Angst, sie schämten sich. Und keiner nahm sie ernst. Bis auf einen Menschen: Petra Grust. Der ARD-Film hat die Figur der Lehrerin Grust erfunden. Das ist einer der Kritikpunkte im Vorfeld der Ausstrahlung. Ein weiterer: Die Persönlichkeitsrechte zweier Opfer würden verletzt. Zudem verharmlose das Dargestellte die wahren Geschehnisse.

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