Vatikan: Ende der Heuchelei


Headquarter des Konzerns.
Headquarter des Konzerns.
Endlich diskutiert der Vatikan offen über Ehe und Familie. Doch revidiert er auch seine Sexualmoral?

Ein Kommentar von Evelyn FingerZEIT ONLINE

Seit wann ist die Familie eigentlich ein Problem? Lange Zeit war die Furcht vor ihrer Zerrüttung, ja vor ihrem Verschwinden nur ein Thema für die gehobene Literatur, ein Gedankenspiel für die Fans von Thomas Mann und Heimito von Doderer, von John Updike und Ian McEwan. In der wirklichen Welt war die Familie eine Lebenstatsache und als solche unumstößlich. Sie machte glücklich oder unglücklich, sie konnte den Einzelnen zur Verzweiflung treiben, aber das stellte ihre Existenz nicht infrage. Dass sie eines Tages nicht mehr existieren könnte, war als politische Sorge ungefähr so populär wie das Verlöschen der Sonne.

Doch irgendwann schlich sich die Schreckensvision vom Ende der Familie auch in die Politik ein. Die Debatte begann mit der Angst vor der berufstätigen Mutter, setzte sich fort im Neid auf die angeblich hedonistischen Kinderlosen und führte alsbald zu der Schockfrage „Kinder oder Karriere?“ (als sei Kinderhaben eine Tretmühle und weibliche Erwerbsarbeit per se Karriere). Dann kam die Frauenquote und mit ihr die Wut der neuerdings benachteiligten Männer.

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