NSU-Versagen: Verfassungsschutz stoppte Entschuldigungsbrief von Mitarbeitern


In „Spitzel und Spione – Innenansichten aus dem Verfassungsschutz“ reden erstmals die Agenten. SWR/WDR
Der NSU mordete über Jahre – und der Verfassungsschutz will davon nichts gesehen haben. Agenten in Brandenburg wollten sich bei den Angehörigen der Opfer entschuldigen. Doch Vorgesetzte stoppten die Aktion. In einer Dokumentation, die WDR und SWR am Montag und Mittwoch zeigen, gelang es Reportern erstmals, 40 Nachrichtendienstler zu befragen.

Von Holger Schmidt, Egmont R. KochCicero

Viel wird dieser Tage über den deutschen Verfassungsschutz geredet. Über seine Fehler und Versäumnisse, über das Nicht-Entdecken von „NSU“ und das Schreddern danach. Was genau aber die mehr als 5000 Mitarbeiter in 16 Landesämtern und dem Bundesamt für Verfassungsschutz ganz praktisch tun und welche Menschen für den Nachrichtendienst arbeiten, was sie motiviert und bewegt, das ist – natürlich – geheim.

Muss das so sein? Ist das vielleicht schon ein Teil des Problems, dass die Öffentlichkeit keine Ahnung hat, was sich hinter den Kulissen abspielt? „Wer schützt uns vor dem Verfassungsschutz?“ – das ist eine durchaus gängige Außenansicht. Wir wollten wissen: Wer sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die dort arbeiten? Vor einem Jahr sind wir mit dieser Fragestellung an die Arbeit gegangen und haben versucht, die Geheimen zu etwas mehr Offenheit zu bewegen. Mit dem Anspruch, alles fragen zu dürfen – und der Hoffnung, ehrliche Antworten zu bekommen. Und mit dem Angebot, dafür Anonymität zu bieten. Ein Deal, den der Verfassungsschutz eigentlich gut kennen sollte.

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