„Der Teufel ist ein kristallklarer Theologe“


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Die römische Weltkirche muss sich entscheiden zwischen Jesus und einem Zwangssystem des Wahrheitsbesitzes. Nachbetrachtungen zur jüngsten Bischofssynode

Von Peter BürgerTELEPOLIS

Auf dem Globus explodiert die Gewalt an allen Enden. Die Politik der Mächtigen zeugt von einem vollständigen Wirklichkeitsverlust, auch wenn die Medien in ihrer Berichterstattung entlang einiger „ausgewählter“ Themenschauplätze so tun, als ginge alles irgendwie noch rational vonstatten. Derweil stehen in der römisch-katholischen Weltkirche ganz oben auf der Tagesordnung Fragen, deren Klärung vor einem halben Jahrhundert versäumt bzw. sabotiert worden ist. Man debattiert etwa darüber, ob geschiedene Kirchenmitglieder nach einer erneuten Heirat weiterhin vom Abendmahl ausgeschlossen bleiben oder in welcher Tonart sich „die Kirche“ zukünftig zur Homosexualität äußern soll. Angesichts solcher hausgemachten Problemlagen, Prioritäten und Dramatiken ist für Fernstehende klar, dass auch die verfasste Kirche, die sich als „Lehrerin des Erdkreises“ versteht, an einem vollständigen Wirklichkeitsverlust leidet.

Aus binnenkirchlicher Perspektive stellen sich die Dinge freilich etwas anders dar. Die jüngste Bischofssynode in Rom sollte nach Jahrzehnten voller autoritärer Bevormundung und Denkverbote zeigen, dass wieder offen diskutiert werden kann. Nicht wenige erhofften sich, nach dem so verheißungsvollen letzten Konklave (Franziskus auf dem Stuhl Petri) werde es jetzt endlich auch spürbar zu Bewegungen und Veränderungen kommen. Hierfür haben sich einige Synodenväter, darunter namentlich auch Kardinäle aus dem deutschsprachigen Raum, redlich abgemüht.

Das heillos festgefahrene Lehrgebäude mit all seinen Ausweglosigkeiten sollte freilich unangetastet bleiben. Gedacht war an pastorales Wohlwollen und „Vorschläge zur Güte“. Dieses Signal – immerhin – kam in einem Zwischenbericht auch zur Geltung.

Eine Sperrminderheit mit mächtigen Wortführern aus der Kurie sorgte dafür, dass davon – bezogen auf die zentralen Streitfragen – im Abschlussdokument rein gar nichts übrig blieb: Über die wiederverheirateten Geschiedenen wollen die unverheirateten Bischöfe noch weiter nachdenken. Für homosexuell Liebende bleibt die anmaßende, unverschämte und heuchlerische Mitleidsformel der Ratzinger-Ära in Kraft. Auch „Humanae vitae“, im Leutemund „Pillenenzyklika“ genannt, wird ausdrücklich zur Wiederentdeckung empfohlen.

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