Wenn dem jüdischen Schüler mit Mord gedroht wird


„Ein merkwürdiges Gefühl schwingt mit“: Max Moses Bonifer auf den Stufen des Offenbacher Rathauses Foto: Markus Hintzen
Ein jüdischer Abiturient bekommt Morddrohungen und tritt daraufhin vom Amt des Schülersprechers zurück. Ein Grund für die hessische Stadt, ihre Integrationspolitik zu überdenken? Mitnichten.

Von Freia PetersDIE WELT

Das Offenbacher Rathaus ist ein dreieckiger Turm aus Beton. Das Büro von Bürgermeister Peter Schneider liegt im Zwischengeschoss ganz hinten, da, wo der Kicker steht. Schneider, ein Alt-Linker, früher mal Lehrer und Fußballtrainer, heute Schuldezernent für die Grünen, lacht gerne. Heute jedoch ist Hektik ausgebrochen. Vor seinem Büro sammeln sich Vertrauenslehrerinnen von zwei Offenbacher Gymnasien und mehrere Mitglieder des Schülerrats.

Schließlich kommt der, über den seit drei Tagen alle reden in der Stadt. Der Bürgermeister hat ihn für den frühen Abend zum Gespräch geladen: Max Moses Bonifer, 18 Jahre, Sprecher des Schülerrats. Ein schmaler Junge mit einem karierten Oberhemd von Ralph Lauren. Die schwarz-samtene Kippa auf dem Kopf ist im Dämmerlicht kaum zu erkennen. Schneider lacht jetzt nur kurz und führt den Jungen am Arm in sein Büro.

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