Strategien der Klimaskeptiker: „Wissenschaft wurde als Nebelwand missbraucht“


Naomi Oreskes ist Geologin und Historikerin. Sie lehrt an der Harvard University. (Foto: privat)
Ein Zirkel konservativer Forscher sät systematisch Zweifel an Klimawandel, Umweltgefahren oder Gesundheitsschäden durch Tabak. Die Harvard-Historikerin Naomi Oreskes hat die Strategien der so genannten Skeptiker analysiert. Ein Gespräch über Lobbyisten und Denkmuster des Kalten Krieges.

Von Markus Balser und Christopher SchraderSüddeutsche.de

Die Klimapolitik der USA wird bis heute von einer mächtigen Lobby diktiert, die wirksame Reduktionen der Treibhausgas-Emissionen verhindert. In ihrem Buch „Die Macchiavellis der Wissenschaft“ (Wiley-VCH, 363 Seiten, 24,90 Euro) beschreiben Naomi Oreskes und Erik Conway eine kleine Gruppe renommierter und sehr konservativer Forscher, die immer wieder Zweifel an den Grundthesen und -erkenntnissen der Klimaforschung verbreitet hat. Diese Strategie stammt von der Tabakindustrie, die Männer haben sie in Debatten über Passivrauchen, den sauren Regen, das Ozonloch und den Klimawandel verwendet.

SZ: Frau Professor Oreskes, seit Jahren werden Klimaforscher vor allem in den USA mit absurden Behauptungen einer kleinen Gruppe sogenannter Skeptiker diskreditiert. Steckt dahinter ein System?

Naomi Oreskes: Und ob. Sogar ein ziemlich infames. Skepsis ist ja eigentlich eine wichtige Tugend von Wissenschaftlern. Es ist ihre Aufgabe, Beweise zu verlangen und Ergebnisse zu hinterfragen. Der Zirkel von Männern, über den wir hier reden, hat diese Tugend bewusst missbraucht. Er hat die Stärke der Wissenschaft in eine Schwäche verwandelt. Es geht darum, gezielt Dissens vorzutäuschen. Das Ziel: die öffentliche Meinung zu manipulieren und Zweifel am Klimawandel zu säen.

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