Tuvia Tenenbom: „Baut eure Zivilgesellschaft doch in Leipzig auf, nicht in Israel“


Tuvia Tenenbom: „Die Europäer haben noch immer den Juden gefunden, den sie brauchen“, picture alliance
Der israelisch-amerikanische Autor Tuvia Tenenbom teilt wieder aus: Deutschland sei besessen von Israel und den Juden. Die einseitige Fokussierung deutscher NGOs und Journalisten auf Israel sei letztlich nur eines: ein neues Gesicht des alten Antisemitismus.

Cicero

Herr Tenenbom, in Ihrem neuen Buch reiben Sie sich vor allem an einer Spezies: an europäischen, besonders deutschen Journalisten und NGO-Aktivisten, die es in Israel und Palästina in einer Dichte wie nirgends sonst gibt. Was kapiert unsereins Ihrer Meinung nach einfach nicht?
Eigentlich kapiert Ihre Zunft fast gar nichts, was hier im Nahen Osten passiert. Mich stört aber besonders die Obsession der Deutschen mit den Juden im Allgemeinen und Israel im Besonderen. Ich bin während der Recherchen zu meinem Buch auf junge Deutsche gestoßen, die mir an einem Tag ihre Liebe zu den Juden versichert haben. Am anderen Tag sehe ich sie bei pro-palästinensischen Filmdrehs, in denen Juden Mörder genannt werden. Da passt doch irgendetwas nicht zusammen.

Warum? Kann man nicht für Israel als jüdischen Nationalstaat und gegen das Unrecht der Besatzung sein? Das ist ziemlich exakt die Politik der verschiedenen Bundesregierungen egal welcher Couleur.
Es gibt viele Konflikte in der Welt. Man braucht zudem ein Lupe, um Israel auf der Landkarte zu finden. Und dennoch stürzen sich Journalisten und NGOs mit einer Besessenheit auf den Konflikt hier. Warum interessieren sich Deutsche nicht für Tschetschenien oder den Sudan? Oder die Lage der Palästinenser in den arabischen Ländern? Denen geht es da gar nicht gut. Aber das kümmert niemanden. Das zeigt doch, dass sie Konflikte, vor allem aber Palästinenser letztlich gar nicht interessieren. Es geht den Palästinenserfreunden um Israel und die Juden.

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