„Gewaltakt namens Wiedervereinigung“


Rolf Hochhuth
Rolf Hochhuth über Wessis, Ossis und das Treuhand-Unrecht
In den Jahren 1989/1990 war in der DDR das Unglaubliche geschehen: Der Druck der Straße hatte vormals unantastbare Partei-Funktionäre aus ihren Ämtern verjagt. Der verhasste Geheimdienst wurde gestürmt, die Mauer fiel, es gab erste freie Wahlen und schließlich das Zusammengehen beider deutscher Staaten.

Von Stefan MeyTELEPOLIS

Nicht wenige Ostdeutsche fühlten sich im neuen Land zwar endlich frei, bald jedoch auch verraten, vor allem verkauft. Statt Privateigentum hatte es in der DDR staatliches „Volkseigentum“ gegeben. Das Volk, die Ostdeutschen, daran zu beteiligen, wurde anfangs als naheliegend diskutiert, dann aber schnell verworfen. Unter der Aufsicht des bundesdeutschen Finanzministeriums privatisierte die „Treuhand-Anstalt“ DDR-Betriebe sowie riesige Immobilienbestände und Ländereien. Marode, aber auch funktionierende Industrien mehr verschenkt als verkauft, und manche auch aus Gründen des Konkurrenzschutzes stillgelegt. Am Ende des Prozesses war das Volkseigentum der DDR fast ausschließlich an westdeutsche Konzerne und zweifelhafte Glücksritter gegangen. Aus politisch unfreien DDR-Bürgern waren freie, aber besitzlose und oft auch arbeitslose Ostdeutsche geworden.

Im Jahr 1992 hatte der Dramatiker Rolf Hochhuth als einer der wenigen westdeutschen Intellektuellen die Vorgänge angeprangert. Der Name des Theaterstücks „Wessis in Weimar – Szenen aus einem besetzten Land“. 25 Jahre nach 1989 und mehr als 20 Jahre nach dem Skandal-Stück ist der streitlustige Schriftsteller Hochhuth in seiner Kritik nicht leiser geworden, er spricht rückblickend von einer „brutalen Enteignung der Ostdeutschen“ und einem „Gewaltakt namens Wiedervereinigung“.

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1 Comment

  1. „Unrechtsstaat DDR“! hallt es zum Gedenken an den Mauerfall…. 😉
    ……Aber wir Wessi’s waren doch immer schon die „Guten“.und auf der „rechten“ Seite der Mauer… 😉 😉

    Fur’s Volk „als ehemaligem Eigentümern der DDR Betriebe “ gab es immerhin doch Hartz IV, als Ersatz für diese „ungerechte“ DDR Vollbeschäftigung, weswegen es offensichtlich auch ein „Unrechtsstast“ war, das dem Kapitalismus brutal seine Gewinne und sein betriebliches Vermögen vorenthielt… 😉

    …so gingen die DDR Betriebe – wie bei uns üblich – und wie es sich – kapitalistisch auch gehört, in einer „Geiz ist geil“ Kampagne ans Kapital. 😉

    Das Ergrbnis: …..die bei uns übliche „Lastenverteilung“. 😉 😉

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