Wenn der Leichnam serviert wird


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Von Schlamm und Baumrinde mussten sich die ersten Menschen ernähren, wer hätte ihnen da ein saftiges Steak missgönnt? Doch spätestens seit Erfindung des Ackerbaus gehört totes Tier nicht mehr auf den Teller, findet der antike Philosoph Plutarch.

The European

Du fragst mich, aus welchem Grund wohl Pythagoras sich des Fleischessens enthalten habe: ich für meine Person aber wundere mich, welche Leidenschaft, welche Stimmung der Seele oder welcher Grund nun zuerst den Menschen mag verleitet haben, Blut mit dem Munde zu berühren und das Fleisch eines toten Tieres an seine Lippen zu bringen; wie er nur darauf verfallen ist, Leichname und Schattenbilder als Zukost oder als Speise auf den Tisch zu setzen und Glieder, die kurz vorher noch brüllten, schrieen, sich bewegten und sahen, zu verzehren; wie das Auge es nur aushielt, das arme Tier schlachten, abziehen und zerstückeln zu sehen; wie die Nase den üblen Geruch davon vertragen konnten, und wie es dem Gaumen nicht von der Verunreinigung ekelte, fremde Geschwüre zu berühren und den Eiter von tödlichen Wunden anzunehmen. Wenn dort gesagt wird:

Ringsum kochten die Häute, es brüllte
das Fleisch an den Spiessen
Rohes zugleich und gebratenes und laut
wie Rindergebrüll schellt es

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