Alexander Grothendieck: Von einem der größten Mathematiker zum Esoteriker


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Wer pittoreske Anekdoten liebt, ist wohl beraten, sich mit der Geschichte der Mathematik zu beschäftigen. Da wäre Pierre Fermat, der die Jagd auf das berühmteste Problem der Zahlentheorie eröffnete, indem er an den Rand eines Buches kritzelte, dass er einen Beweis habe, aber leider reiche der Platz nicht, ihn hier niederzuschreiben (der Beweis konnte bekanntlich erst rund 350 Jahre später geliefert werden); da wäre Évariste Galois, der mit zwanzig Jahren am frühen Morgen des 31. Mai 1832 bei einem Duell starb, nachdem er die Nacht damit zugebracht hatte, fieberhaft unter anderem seine mathematischen Ideen niederzuschreiben (seine Galois-Theorie erlaubte endlich den Beweis, dass die Winkeldrittelung und die Würfelverdopplung mit Lineal und Zirkel nicht durchführbar sind). Da wäre Grigori Perelman, der die Poincaré-Vermutung bewies, aber weder das Preisgeld in Höhe von einer Million Dollar haben wollte noch die Fields-Medaille (das Nobelpreis-Äquivalent der Mathematiker). Aber kein Mathematiker hinterließ einen reicheren Schatz an Anekdoten, als der am 13. November verstorbene Alexander Grothendieck.

Von Peter Riedlberger|TELEPOLIS

Nicht nur das Leben, sondern bereits Herkunft und Kindheit von Grothendieck waren von Gegensätzen geprägt. Sein Vater Alexander Schapiro stammte aus ultraorthodox-jüdischer Familie, wurde Anarchist, verbrachte mehr als zwölf Jahre in zaristischen Kerkern, verlor dabei einen Arm und floh schließlich nach Berlin, wo er Johanna Grothendieck kennenlernte und seinen Sohn Alexander zeugte, den späteren Mathematiker. Der Vater und die Mutter gingen nach der Machtergreifung erst nach Frankreich, dann ins republikanische Spanien. Nach Francos Sieg kehrten sie nach Frankreich zurück. Von dort aus wurde Alexander Schapiro 1942 nach Auschwitz verschleppt, wo man ihn ermordete.

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