Polarforschung: Die geheimen Gärten der Antarktis


 © Nature 512, S. 244–246, 2014

© Nature 512, S. 244–246, 2014
Unter einer 800 Meter dicken Eisschicht finden Forscher Tausende von Mikroorganismen. Neue Einblicke in ein gewaltiges, noch unerforschtes Ökosystem.

Von Douglas Fox|Spektrum.de

Ein kalter Wind fegte über das antarktische Flachland und betäubte Nasen und Ohren der Wissenschaftler. Diese standen an einem dunklen Loch im Eis, aus dem gerade mit einer Winde die letzten Meter eines Seils heraufgezogen wurden. Eisstücke prasselten vom Seil herab. Zwei Arbeiter in steriler Schutzkleidung beugten sich vornüber, um die Ladung aus dem Loch entgegenzunehmen: einen Zylinder von der Länge eines Baseballschlägers, der am Ende des Seils baumelte. Mit einem Hammer schlugen sie das Eis ab und tauten das Gefäß mit einem Fön an. „Ist er zu?“, rief der Arbeiter an der Seilwinde.

„Ja“, schrie John Priscu, der Spezialist für mikrobielle Ökologie von der Montana State University in Bozeman in den USA. Der Probenzylinder lag schwer in seinen Handschuhen – ein Zeichen dafür, dass er mit Wasser gefüllt und dicht verschlossen seine lange Reise an die Eisoberfläche angetreten hatte. Das Wasser stammte von einem der am meisten isolierten Gewässer der Erde: dem Lake Whillans, der unter einer 800 Meter dicken Eisschicht eingeschlossen gerade einmal 640 Kilometer vom Südpol entfernt liegt. Kaum ein Wort wurde gesprochen, als Priscu den Behälter schulterte und zu dem Metallcontainer schleppte, in dem sich das Team ein kleines Behelfslabor eingerichtet hatte.

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