Es rettet uns keine höhere Technologie


Bild: Pinterest, DF.
Wer heutzutage vom „neuen Menschen“ schreibt, verfällt dem Verdikt des Autoritarismus. Wollte zuletzt nicht ein reichlich altbackener „Kommunismus“ den Menschen ummodeln? Ist das nicht auf ganzer Linie gescheitert? Und überhaupt: Wo sollte ein solcher Menschenversuch geschehen außer in Internierungslagern, Arbeitsbrigaden und öffentlichen Tribunalen? Was Wunder also. Wer heutzutage von der „neuen Gesellschaft“ spricht und von deren „Keimformen“, in denen postkapitalistische Wirtschaftsweisen bereits existieren, hält sich vom „neuen Menschen“ in der Regel fern. Da klingt die Rede von den „neuen Technologien“ schon weitaus cooler, hip und sexy.

Von Andreas Exner|TELEPOLIS

Die vielseitig einsetzbaren fabber (Digital Fabricator, kurz fabber, ist ein Gerät, das 3-dimensionale Gegenstände aus auf Computern generierten CAD-Daten erzeugt) sind dazu nur ein Stichwort. Technik wirkt neutral, und eine „höhere Technologie“ scheint sich daher harmonisch – und ganz sachlich – an den Gedanken einer „höheren Gesellschaft“ anschließen zu lassen. Doch ergibt sich an dem Punkt sogleich noch eine bemerkenswerte Beobachtung.

Heutige fabber und ihre Vetter werden in hochgradig komplexen, global arbeitsteiligen Prozessen hergestellt, die eine fein abgestimmte und äußerst disziplinierte Just-in-time-Produktion voraussetzen, doch vergisst man beim Gedanken an die schönen neuen Technologien nur allzu leicht die Frage: Wie wird der fabber den eigentlich produziert? Und was ist mit PC & Co., nicht zu vergessen dem Gerätepark der Küchen und so vielem mehr? Die Frage nach dem Plan, der eine fabber-Welt erst koordinieren würde, drängt sich auf. Doch ebenso wenig wie der „neue Mensch“, den sich noch Che Guevara auf die Fahnen heften wollte, ist das Wort „Planwirtschaft“ beliebt.

Dabei wäre auch die äußerst problematische Rohstoffbasis der heutigen, und insbesondere der neuen, metallintensiven Hochtechnologien zu erwähnen. Wie wird es möglich sein, an die für die fabber-Welt notwendigen Rohstoffe zu gelangen, wenn jene Menschen, die heute in den Minen schuften müssen, vielleicht anderes im Sinn haben? Oder jene künftigen Agrararbeiter, die eine „Biomasse“ für Kunststoffprodukte – vielleicht auch Plastik-fabber – pflanzen, pflegen, ernten und verarbeiten sollen?

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