„Armanen-Orden“: „Wotans Wiederkehr“ in Thüringen


„Armanen-Orden“: Antisemitismus zwischen Esoterik und Neuheidentum; Photo: K.B.
Im 35. Jahr seines Bestehens lud der völkisch-germanische „Armanen-Orden“ zum „Herbst-Thing“ nach Bad Sulza ein. Die rassistische Vereinigung mit Verbindungen in die rechtsextreme Szene bewegt sich zwischen Esoterik und Neuheidentum.


Von Kai Budler|blick nach rechts

Im Nordosten des Kreises Weimarer Land, in der „Thüringer Toskana“, zwischen Berghängen, Muschelkalkformationen und dem Fluss Ilm liegt die Kur- und Weinstadt Bad Sulza mit ihren knapp 5000 Einwohnern. Doch in das Waldgebiet westlich der Stadt verirren sich nur selten Kurgäste, es sei denn, sie übernachten in der einen Kilometer vom Kurpark entfernten Jugendherberge.

Dorthin hat es jetzt auch eine verschworene Gemeinschaft gezogen: Der braune Religionszirkel „Armanen-Orden“ (AO) mit Leitsprüchen wie: „Arier aller Länder vereinigt euch!“ feierte sein „Herbst-Thing“ in der abgeschiedenen Herberge. Die Teilnehmer kamen aus Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Österreich. Doch bei der Versammlung einer der wichtigsten neuheidnischen Gruppierungen Deutschlands möchte man unter sich bleiben: „Fotografieren und Tonaufnahmen nicht gestattet“ heißt es in der Einladung der Armanenschaft, die sich gegenüber der Öffentlichkeit streng abschottet.

Um der Aufforderung zur passenden Bekleidung zu folgen, wechselten die Angereisten in der Herberge ihre Kleidung, das mitzubringende „stilvolle Trinkgefäß“ hatte ein Teilnehmer im Wams bereits vor Beginn am Gürtel seiner Knickerbocker-Hose befestigt. Verantwortlich für das Treffen zeichnet Adolf Schleipfer aus Köln, der auch den Versandbuchhandel „Armanen Verlag“ leitet und mit seiner Frau Sigrun Schleipfer 1979 den AO aus der in den 60er Jahren wieder ins Leben gerufenen „Guido von List“-Gesellschaft entwickelt hatte.

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