Überrecht: Gott bei der Arbeit


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Jetzt haben wir es auch höchstrichterlich: Wenn es um Jobs geht, steht die Kirche in diesem Land quasi über dem Recht.


Von Michael Herl|Frankfurter Rundschau

Eigentlich ist ja alles in Butter in diesem, unserem Lande. Zumindest theoretisch. Wir haben eine feine Verfassung, ein allseits gelobtes Grundgesetz, welches die Spielordnung unsers Miteinanders bestimmen soll. Es regelt so einiges, so auch die Teilung der Staatsgewalten. Sie nämlich sollen laut Artikel 20 „durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt“ werden. Der Volksmund sagt dazu Legislative, Exekutive und Judikative.

Das ist auf dem Papier so, und klar, überall wo Menschen werkeln, da menschelt es auch. Also ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Umsetzung des grundgesetzlich Vorgegebenen gelegentlich etwas ins Eiern gerät. In der Legislative kennt man das von Politikern, die hie und da mal leicht vom Weg abweichen und deswegen prompt vom Volke mit Liebesentzug gestraft werden, umgangssprachlich auch „Politikverdrossenheit“ genannt. Die Exekutive hat es traditionell schwer, gemocht zu werden. Sie nämlich muss das wieder ausbaden, was die Legislative verbaselt hat, und tut dies nicht selten mit Schlagstock, Pfefferspray und Wasserwerfern. Da bleibt kein Auge trocken.

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