Militärbilder: Wie Fernsehbilder zu ganz eigenen Narrativen führen


Abb. 1: ZDF heute, 23.9.2014, 19 Uhr; Tagesschau, 23.9.2014, 20 Uhr,Screenshot Hans Jürgen Krug, Heise.de
Das Fernsehen hat seinen Bildern nie so richtig getraut. In den Nachrichtensendungen wurde deshalb immer wieder auf die Herkunft der Bilder hingewiesen. Zunächst erläuterten vor allem Stimmen aus dem Off, dass „Hier Archivbilder“ gezeigt werden. Inzwischen setzt man zusätzlich auf den Textbaustein „Quelle“. Oben oder unten, rechts oder links im Bild wird eingeblendet, woher die Aufnahmen kommen und – seit neuestem – was sie bedeuten. Aber das ist längst nicht bei allen Bildern der Fall. Die Mehrzahl scheint noch immer unkommentiert – quasi hinter den Texten – mitzulaufen.


Von Hans-Jürgen Krug|TELEPOLIS

Die Anfänge dieser Quellenangaben liegen im Dunkeln, doch spätestens während des Golfkriegs 1991 begannen die Fernsehsender, Bilder und Filmsequenzen mit Kurztexten wie „CNN“ oder „U.S. Pool Tape. Cleared by U.S. Military“ zu versehen. Im „ersten totalen elektronischen Krieg der Geschichte“ (Paul Virilio) standen erstmals Bilder in „Echtzeit“ zur Verfügung. Geliefert von CNN – und von beteiligten amerikanischen Militärgruppen. Bis heute liefern militärische Institutionen eigene Bilder (Welche Bilder darf man zeigen?) und dringen damit immer wieder auch in die Nachrichtensendungen.

In jüngster Zeit konnte man wenigstens folgende „Quellen“ finden: „Bundeswehr“, „Französische Luftwaffe“, „Irakische Armee“, „Irakische Sicherheitskräfte“, „Verteidigungsministerium Irak“, „Irakischer Geheimdienst“, „Israelische Armee“, „Israelisches Militär“, „Kurdische Kämpfer“, „Kurdisches Militär“, „Propagandavideo Kurdenmiliz YPG“, „Nato“, „Militär Ukraine“, „Syriac Military Council“, „US Armee“, „US-Marine“, „US-Militär“, „US Navy“ oder „US-Verteidigungsministerium“. Und manchmal steht auf den Bildern schlicht „Archiv“ oder – und meistens – gar nichts.

Militärbilder 1

Der letzte Boom militärischer Aufnahmen dürfte mit den ersten Einsätzen der Anti-IS-Koalition am 23. September 2014 in Syrien initiiert worden sein. ZDF heute (19 Uhr) begann mit Bildern von einem US-Flugzeugträger „drei Uhr nachts“: Abschüsse, Lichtblitze, Personal, Flugzeuge. Oben auf den Bildern stand: „Quelle: US-Marine“. „Bilder von der Zerstörung am Boden“, so erläuterte Autor Christoph Destairel, „gibt es noch nicht“.

In der Tagesschau (20 Uhr) berichtete Tina Hassel (Washington), dass „Tomahawkraketen“ und „modernste Kampfjets“ eingesetzt wurden und mit „voller Macht zuschlugen“. Teil ihres Berichts waren auch die Flugzeugträgerbilder, die rasch vorbei huschten; Quellenangaben gab es nicht. Das Fremdmaterial wirkte wie Eigenmaterial.

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