Adventskalender: Erziehung, Religion, Propaganda & Genuss


Im Lande des Christkinds 1903, Nachdruck 1915, Bild: wikimedia.org/PD
Für Kinder sind Adventskalender das wohl deutlichste Zeichen der Adventszeit. Diese deutsche Tradition ist mehr als 100 Jahre alt. Adventskalender-Sammler Peter Nicolaus kennt ihre Geschichte.


Von Tim Stobbe|DIE WELT

Aus dem Bett krabbeln, der Schlaf noch in den Augen, das Papptürchen auffriemeln und Schokolade schon vor dem Frühstück naschen: Der 1. Dezember ist da, und mit ihm verkürzen Adventskalender in Kinderzimmern die Wartezeit aufs Weihnachtsfest. Bei Peter Nicolaus in Wuppertal würden Kinder aber ein langes Gesicht machen – obwohl er mehr als 2000 Adventskalender zu Hause hat.

Peter Nicolaus, 63 Jahre alt, sammelt die Wartezeitverkürzer. „Die Vielfalt der Motive und die Illustratoren der Kalender interessieren mich“, sagt er. Und das seit 1992. Abgesehen hat er es auf historische Exemplare. Anders als bei den heutigen verbirgt sich hinter den Türchen keine Schokolade, kein Spielzeug. Hinter den vielen Hundert Illustrationen mit schneebedeckten Häusern, Weihnachtsbäumen, Engelchen und fröhlichen Kindern verstecken sich Sinnsprüche und Bilder – von Geschenken, Kindern oder religiösen Figuren wie dem Christuskind.

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