Peinlich: Spenden gegen kreuz.net landeten in Gmünder-Insolvenzmasse


Tino Henn (l.) und David Berger bei der Vorstellung der Aktion „Stoppt kreuz.net“ vor über zwei Jahren
Entgegen anderer Verlautbarungen ist das Geld zur Ergreifung der Hintermänner der Hass-Seite weg. Gut die Hälfte der Spenden ging als Honorar an David Berger.


Von Norbert Blech|QUEER.DE

Genau heute vor zwei Jahren ging die homophobe und volksverhetzende Webseite kreuz.net für immer offline (queer.de berichtete). Das war ein Erfolg der Szene, den wenige Monate zuvor niemand erwartet hatte. Die anonymen Verantwortlichen der Seite schienen unangreifbar. Dann starb am 1. Oktober 2012 Dirk Bach – und einige hasserfüllte „Nachrufe“ des Portals kreuz.net („Jetzt brennt er in der ewigen Homo-Hölle“) brachten das Fass zum Überlaufen.

Am 5. Oktober 2012 setzte der damalige Bruno Gmünder Verlag ein Kopfgeld in Höhe von 15.000 Euro aus – für Informationen, die zu einer rechtskräftigen Verurteilung der Verantwortlichen führten. Vier Tage später ließ der Verlag verlautbaren, dass er mit dem Theologen David Berger, der damals noch nicht bei Gmünder beschäftigt war, einen Koordinator für die „Aktion Stoppt Kreuz.net“ gefunden und wegen vieler Nachfragen ein Spendenkonto eingerichtet habe, „für die Erhöhung der Belohnung und für die Deckung weiterer Recherchearbeiten nach den Machern von kreuz.net“ (zitiert nach der Webseite der Aktion, queer.de berichtete).

Obwohl es in Folge viele Hinweise zu den Hintermännern der Hass-Seite, staatsanwaltschaftliche Ermittlungen und auch Hausdurchsuchungen gab, ist es bislang zu keiner Verurteilung gekommen. Der Verlag hatte angekündigt, die verbliebenen Spenden bei einer ausbleibenden Verurteilung einer gemeinnützigen Einrichtung zu überweisen.

Dazu wird es nun nicht mehr kommen: Nachdem der Bruno Gmünder Verlag im Mai Insolvenz angemeldet hatte (queer.de berichtete), wurde am Dienstag bekannt, dass die Spendengelder in die Insolvenzmasse eingeflossen sind. Auch weitere Details zu den Spendengeldern decken sich nicht mit früheren Aussagen der Verantwortlichen.

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