Biomasse am Tropf – würdevolles Sterben sieht anders aus


Bild: letzte-hilfe.de
Bild: letzte-hilfe.de
Die Debatte über Sterbehilfe gehört zu den wichtigsten Kontroversen in Deutschland. Hier spricht der Autor Josef Girshovich darüber, warum er manche Patienten als „Biomasse am Tropf“ bezeichnet – und wie ein würdevoller Tod aussieht.


Ein Interview von Christina Rietz|SpON

SPIEGEL ONLINE: Herr Girshovich, in Ihrem Buch „Wem gehört der Tod?“ fällt gleich zu Beginn der Begriff „Euthanasie“. Als Leser zuckt man kurz zusammen. Warum ist das Wort für Sie so wichtig?

Girshovich: Wenn Sie wegen dieses Wortes zusammenzucken, kann ich das verstehen. Der Begriff wurde von den Nazis zu rassischen Zwecken missbraucht, aber wir sollten uns an sein ursprüngliches Konzept erinnern: Euthanasie meint einen guten, schmerzfreien Tod.

SPIEGEL ONLINE: In bestimmten Fällen ist der nur durch Sterbehilfe zu erreichen?

Girshovich: Ja, und die Nachbarländer erlauben sie auch, nur wir nicht. Damit fördern wir einen Sterbetourismus – und berufen uns gleichzeitig auf den hippokratischen Eid: Der Arzt darf nur heilen, nicht töten. Das ist naiv, scheinheilig und überheblich. Als ob belgische Ärzte ihren Eid nicht ernst nähmen.

weiterlesen