Keine Toleranz gegenüber jugendlichen Extremisten!


Vom Rapper zum Terror-Propagandisten: Deso Dogg in einem Video der Organisation Islamischer Staat. Bild:DW
Sind wir nicht immer noch zu verständnisvoll, wenn es um jugendliche Hitzköpfe geht, die sich für einen brutalen Radikalismus entschieden haben? Schon seit der Weimarer Republik kennt man diese Typen.


Von Marko Martin|DIE WELT

Leutnant Theodor Lohse war ein Loser. Ein spackes Männlein mit Magenproblemen und Mundgeruch, der nicht nur die Gesellschaft hasste, sondern mitunter auch das Berliner Wetter. Bis er in einem Waldstück in Weißensee seinen ersten Mord begeht und bald darauf zum gefeierten Massenredner wird, Propagandist eines ultrarechten Freikorps-Netzwerkes, das vom großen Endkampf träumt. Die Geschichte vom Killer-Konvertiten Lohse findet sich in Joseph Roths Debüt-Roman „Das Spinnennetz“, und obwohl hierin das marode Deutschland des Jahres 1923 beschrieben wird, ist die Aktualität beklemmend.

Auch wenn die heutige Bundesrepublik (noch) prosperiert – damals wie heute gibt es jenes Mitläufer-Bürgertum, dem es an gesundem Selbstbewusstsein gebricht, sodass es das grundvernünftige law and order als Einladung zum Autoritarismus missversteht oder die hohe Tugend der Toleranz als werterelativistische Verwaschenheit zelebriert. Währenddessen die Lohses und ihre geradezu spiegelbildlichen Gegner um die Blocks ziehen und Radau machen.

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