Beschneidungsgesetz ist für einen Rechtsstaat unwürdig und rückschrittlich


Viola Schäfer, Vorsitzende intaktiv e.V. Bild: manndat
Am 12.12.2014 jährt sich der Bundestagsbeschluss zu einem Gesetz, das die Körperverletzung an Jungen durch Beschneidung ausdrücklich erlaubt, zum zweiten Mal. Die Diskussion um dieses unselige Gesetz ist seitdem nicht verstummt, ganz im Gegenteil. Immer mehr Menschen engagieren sich im Kampf für das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit für alle Kinder und Jugendlichen. Ein Beispiel dafür ist der Verein intaktiv e.V. Dr. Bruno Köhler von MANNdat sprach mit der Vorsitzenden des jungen Vereins.


MANNdat

Viola Schäfer ist Diplompsychologin und Vorsitzende des Vereins intaktiv e.V. Am Opfertelefon des Weißen Rings berät sie seit über zwei Jahren Gewalt – und Kriminalitätsopfer.

MANNdat: Was ist der Verein intaktiv e.V. und welche Ziele verfolgt er?

Viola Schäfer: intaktiv ist der erste Verein in Deutschland, der mit dem satzungsgemäßen und zentralen Anliegen des geschlechtsunabhängigen Schutzes der genitalen Unversehrtheit aller Kinder als gemeinnützig anerkannt wurde. „Beschneidungen“ bei Mädchen werden völlig zu Recht unabhängig von der Schwere des Eingriffs als Genitalverstümmelungen bezeichnet, bei Jungen, aber auch bei Intersexuellen, herrscht diesbezüglich hingegen leider noch ein großes Aufklärungsdefizit und eine Tendenz zur Verharmlosung vor. Viele Menschen wissen nicht einmal, dass eine sogenannte „Jungenbeschneidung“ in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle eine komplette Vorhautamputation ist und dass es sich bei der Vorhaut um das empfindlichste und erogenste Gewebe des gesamten männlichen Körpers handelt. intaktiv hat es sich zum Ziel gesetzt, diesem Aufklärungsdefizit entgegenzuwirken und sich dafür einzusetzen, dass alle Kinder – also nicht nur Mädchen – von Geburt an ein Recht auf intakte Genitalien und spätere Selbstbestimmung über ihren Körper und ihre Sexualität erhalten und rechtlich geschützt werden, wie es ihnen in einem Rechtsstaat des 21. Jahrhunderts, der die Menschenrechtserklärung und die Kinderrechtskonvention ratifiziert hat, eigentlich selbstverständlich zustehen müsste. Eine ausführliche Erläuterung unserer Ziele finden Sie in unserem Positionspapier auf unserer Webseite intaktiv.de.

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