Was ist der Staat Israel?


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Erklärt Netanjahu das Land zum „Staat des jüdischen Volkes“, wird er die jüdische Diaspora verlieren


Von Micha Brumlik|taz.de

Die gegenwärtige Regierungskrise des Staates Israel ist weit mehr als Ausdruck eines unpraktikablen parlamentarischen Systems, das kleinsten Parteien den Einzug in das Parlament, die Knesset, erlaubt und durch Zersplitterung stabile Regierungsmehrheiten verhindert. Vielmehr ist anzunehmen, dass sich diese Krise zur größten Krise des jüdischen Volkes seit der Katastrophe des von Deutschen begangenen nationalsozialistischen Massenmordes entwickeln wird. Des jüdischen Volkes? Was sind überhaupt Juden, was das Judentum? Dazu werden heute vier Vorschläge diskutiert.

Erstens das Judentum als Religion, als Konfession, als Glaubensgemeinschaft. Diese Definition leidet daran, dass keineswegs der größte Teil der weltweit etwa zwölf Millionen Juden intensiv gläubig sind, Thora lernen, regelmäßig Gottesdienste besuchen und sich strikt an Festtage und häusliche Rituale halten. Zweitens das Judentum als ethnische Nation im Sinne des Volksbegriffs des späten achtzehnten Jahrhunderts, als Sprach- und Herkunftsgemeinschaft.

Drittens als eine „Kultur“, die – wie erst kürzlich die israelischen Autoren Amos Oz und Fania Oz-Salzberger in ihrem Buch „Juden und Worte“ nachweisen wollten – eine einzigartige, Jahrtausende alte Buch-und Schrifttradition aufweist. Viertens wird das Judentum als „Schicksalsgemeinschaft“ verstanden: als eine Großgruppe von Menschen, die ohne scharfe Trennlinien durch teils geteilte Traditionen, Anfeindungen der Umwelt sowie ein vages Gemeinschaftsbewusstsein zusammengehalten wird.

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