„Luthers Juden“: Sie wollen nicht hören


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Thomas Kaufmanns klar argumentierende Studie über „Luthers Juden“ entzieht jeder Schubladisierung den Boden.


Von Dirk Pilz|Frankfurter Rundschau

Martin Luther war Antisemit. Das ist lange bekannt. Dennoch ist der Satz falsch. Von hier an wird es kompliziert. Denn es gibt in Sachen Antisemitismus nichts zu relativieren. Aber auch er ist in Geschichte eingebunden. Will man ihn begreifen, seine Gefährlichkeit und Perfidie verstehen, muss man die jeweilige historische Situation kennen. Das macht den Antisemiten weder besser noch schlechter, moralische Kategorien sind in dieser Frage ohnehin irreführend.

Thomas Kaufmann sagt, man habe es bei Luther mit einem „spezifisch vormodernen Antisemitismus“ zu tun. Er sagt, „an innerer Widersprüchlichkeit oder Ambivalenz in der praktischen Haltung gegenüber den Juden“ werde Luther von keiner Gestalt des Reformationszeitalters übertroffen. Sein „Judenhass“ schließe Motive ein, die sich nicht einfach als theologische bezeichnen lassen; sie gehen über den traditionellen christlichen Antijudaismus hinaus. Das sind kräftige Thesen.

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