Marquis de Sade: Monster oder sexueller Befreier?


Vor 200 Jahren starb der Namenspatron des Sadismus: Marquis de Sade. Bei vielen erregen seine Werke Abscheu, doch manche sehen in ihm einen wichtigen Aufklärer.


Von Rolf Maag|20min.ch

Es braucht starke Nerven und einen noch stärkeren Magen, wenn man die Werke des Marquis de Sade von Anfang bis Ende lesen will. In seinem Roman «Die 120 Tage von Sodom» beschreibt er die Untaten von vier Lustmördern: «An diesem Abend gibt man Michette der Wut der Lüstlinge preis. Zuerst wird sie von allen vier Libertins gepeitscht, dann reisst ihr jeder einen Zahn aus; danach schneidet ihr jeder einen Finger ab. Man verbrennt ihr darauf an vier Stellen, vorne und hinten, die Schenkel.» So geht es weiter, bis das Opfer schliesslich tot ist.

Zum Glück trieb es der 1740 geborene südfranzösische Adlige im wirklichen Leben nicht ganz so bunt, doch harmlos war er auch dort nicht gerade. 1768 lockte er die arbeitslose Baumwollspinnerin Rose Keller in sein Landhaus und peitschte sie abwechselnd mit einer Rute und einer Geissel, bis sie aus zahlreichen Wunden blutete. Keller zeigte Sade an, doch weil ihre Aussage Ungereimtheiten aufwies, musste er nur eine Entschädigung zahlen.

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