„Reformierter Islam braucht kein Jungfernhäutchen“


Güner Balci, Screengrab: youtibe/BB
Güner Balci, Screengrab: youtube/BB
Güner Balci wuchs in Berlin-Neukölln auf und polarisierte mit einem gefilmten Kiez-Spaziergang mit Thilo Sarrazin. Ein Gespräch über Lügen in der Einwandererdebatte und die Selbstbestimmung der Frau.


Von Marc Reichwein|DIE WELT

Energische Meinungen über Migranten gibt es viele in Deutschland, doch nur wenige sind so authentisch wie die von Güner Yasemin Balci. 1975 als Tochter türkisch-kurdischer Einwanderer geboren, wuchs sie in Berlin-Neukölln auf. Balci arbeitet als Journalistin und Drehbuchautorin, ihre Fernsehdokumentation über die Jugendrichterin Kirsten Heisig wurde 2012 preisgekrönt, ihr Kiez-Rundgang mit Thilo Sarrazin 2011 viel diskutiert. Schonungslos und kritisch gegen Klischees von links und rechts erzählen Balcis Bücher „Arabboy“ (2008) und „ArabQueen“ (2010) von der Lebenswirklichkeit junger Muslime in Deutschland. Ihr neuestes Buch „Aliyahs Flucht“ handelt von einer Freiheitsberaubung im Dienste der Familienehre und liest sich wie ein Mafia-Thriller.

Die Literarische Welt: Bevor wir über Aliyah reden – die Nachrichten können wir in dieser Woche nicht außer Acht lassen. Die CSU wollte Migranten dazu anhalten, zu Hause Deutsch zu sprechen.

Güner Balci: Das hätte Erdogan für Türkisch nicht besser fordern können. Einerseits ist es Energieverschwendung, sich mit solchen Possen auseinanderzusetzen. Andererseits repräsentiert es Denkweisen, die tatsächlich existieren.

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