Steinfiguren, Totenköpfe und Wegelagerer


Indigenas vom Stamm der Aimaras bei einer Messe zum Natitatas-Toten-Fest in La Paz, Bolivien. Bild: holaciudad.com
Tausende ziehen im November mit Totenköpfen auf den größten Friedhof Boliviens, um diese von einem Priester weihen zu lassen. Synkretismus ist die Vermischung verschiedener Religionen und diese Mischung aus Katholizismus und indigenem Volksglauben ist eines von vielen Beispielen dafür in Südamerika. Eine Reportage von Julio Segador, ARD-Korrespondent in Buenos Aires.


Von Julio Segador|Deutschlandradio Kultur

Volksfeststimmung auf dem zentralen Friedhof von La Paz. Musiker ziehen durch die Gräberreihen des größten Friedhofes der bolivianischen Metropole. Menschen sitzen auf den Gräbern, auf dem mit Kieselsteinen bedeckten Boden, lehnen an den dürren Bäumen. Fliegende Händler verkaufen Getränke, Eis, gegrillte Spieße, Kokablätter, Zigaretten. Tausende bevölkern an diesem Tag den Friedhof, es gibt kaum ein Durchkommen. Und noch etwas fällt auf: Der Friedhof ist übersät mit seltsam geschmückten Totenköpfen.

Es sind fast ausnahmslos indigene Bolivianer, die zum Friedhof gekommen sind. Sie feiern an diesem 8. November das Ñatitas-Fest, das Fest der Totenköpfe. Und die Besucher des Friedhofs führen ihre makabren Mitbringsel regelrecht aus, auch Fatima Quispeda. Die 53-Jährige kennt sogar die Herkunft des Totenschädels:

Fatima Quispeda: Er hieß Juan José. Und ich glaube, er war ziemlich arm. Ich nahm den Schädel zu mir, als ich zur Krankenschwester ausgebildet wurde. Sie schenkten ihn mir im Krankenhaus. Er hatte noch Haut- und Muskelreste dran. Ich habe ihn dann gesäubert, präpariert und er half mir bei der Ausbildung.“

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