„Die Diaspora tut den Juden gut“


Bild: brightsblog
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Der Holocaust zerstörte das jüdische Leben in Deutschland und den umliegenden Ländern. Inzwischen kann im vereinten Europa des 21. Jahrhunderts wieder von einem „europäischen Judentum“ gesprochen werden. Welche Chancen, welche Herausforderungen und welche Konflikte erwarten Juden in der europäischen Diaspora?


Von Andreas Beckmann|Deutschlandfunk

Das Ende schien nur noch eine Frage der Zeit. Die wenigen Juden, die in Europa verblieben waren, waren als Gruppe kaum noch erkennbar. Demografen begannen in den 80er-Jahren schon auszurechnen, wann den Gemeinden endgültig die Mitglieder ausgehen würden – wegen Überalterung.

„Auch für die meisten der betagten Überlebenden des Holocaust in Polen stand 1980 fest, dass sie die letzten ihrer Art sein würden und dass mit ihrem Tod das letzte Kapitel einer tausendjährigen Geschichte enden würde.“

Als die amerikanische Historikerin Ruth Ellen Gruber 1980 das erste Mal nach Polen kam, bekannte sich dort kaum noch jemand zu seinem jüdischen Glauben.

„Junge Leute in Krakau können sich heute schon gar nicht mehr an die Zeit erinnern, als noch nicht jedes Jahr ein Jüdisches Kulturfestival in der Stadt abgehalten wurde, als es noch keine jüdischen Cafés gab und keine jüdischen Stadtrundfahrten. Heute bewerben sich ständig junge Freiwillige, die im Gemeindezentrum arbeiten wollen, um ihre eigene Identität zu finden.“

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